Universitätsklinik Eppendorf

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Mai 2009

Ein OP-Pfleger packt aus

Hamburger Abendblatt 8.5.09:

"Was Sie über die Probleme im UKE geschrieben haben, ist nur die Spitze des Eisbergs. Keiner macht den Mund auf, es wird immer alles einfach hingenommen. Und deshalb ist es gut, dass die Missstände jetzt endlich mal an die Öffentlichkeit kommen, damit sich vielleicht doch noch etwas ändert." Mit diesen Worten meldete sich gestern ein Mitarbeiter der OP-Pflege im UKE in der Redaktion - das Abendblatt nennt seinen Namen nicht zu seinem eigenen Schutz vor arbeitsrechtlichen Konsequenzen.


Der Pfleger bezieht sich auf einen Brief, den kurz zuvor leitende Angestellte des UKE an den Vorstand geschrieben hatten. Bei den Angestellten handelte es sich laut Hamburger Abenblatt vom 5.5.09 um Ärztliche Leiter und deren Stellvertreter folgender Einrichtungen:

  • Operative Medizin
  • Innere Medizin
  • Geburtshilfe
  • Kinder- und Jugendmedizin
  • Anästhesiologie und Intensivmedizin
  • Psychosoziale Medizin
  • Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
  • Experimentelle Medizin
  • Molekulare Neurobiologie
  • Herzzentrum
  • Onkologisches Zentrum
  • Kopf- und Neurozentrum
  • Diagnostikzentrum
  • Universitäres Cancer Center
  • Klinik für Augenheilkunde


In dem Brief werden u.a. folgende Probleme genannt (zitiert nach Hamburger Abenblatt vom 5.5.09):

  • "Die logistische Versorgung der Notaufnahme macht weiterhin große Probleme. Notfall-Laparotomie oder Notfall-Thorakotomie-Siebe waren nicht vorhanden, was eine unmittelbare Gefährdung der Patienten zur Folge hat"
  • "Personalmangel in der Pflege ist eklatant"
  • "Es werden IMC-pflichtige Patienten wie in der Vergangenheit auf peripheren Stationen versorgt, was nicht dem abgestuften Pflegekonzept entsprechen dürfte." Dies "gefährdet die Patientensicherheit".
  • "für das Bettenmanagement [besteht] quasi eine Art Anarchie."
  • Es komme immer wieder "zu einem Stau auf den Stationen", weil offenbar "der Sozialdienst aufgrund Arbeitskräftemangels nicht in der Lage ist, für ein Entlassungsmanagement in Rehabilitation etc. zu sorgen".


Einen Tag, nachdem der an den UKE-Vorstand gerichtete Brief im Hamburger Abendblatt veröffentlicht wurde, sprachen die Ärzte, so das Hamburger Abendblatt vom 8.5.09, plötzlich von einer "geregelten Patientenversorgung".


Der Mitarbeiter der OP-Pflege im UKE, der bei der Redaktion anrief, sagte dazu (Hamburger Abendblatt vom 8.5.09):

"Dass die Chefärzte so heftig zurückgerudert sind, kann ich gut verstehen, denn sie stehen unter enormem Druck", meint jetzt der OP-Pfleger, der seit mehr als zehn Jahren in der Uni-Klinik tätig ist ... Sein Bericht im Wortlaut: "Wir haben seit Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass wir im OP-Pflegebereich unterbesetzt sind. Wenn der Ärztliche Direktor Professor Debatin jetzt von einem vorübergehenden Engpass durch unerwartetes Wachstum spricht, stimmt das einfach nicht, denn wir waren immer schon viel zu knapp besetzt. Durch die Zusammenlegung der vormals dezentralen Operationssäle hat sich die Situation jetzt dramatisch verschärft. Es hat unter anderem dazu geführt, dass das Pflegepersonal jetzt in Fachbereichen arbeiten muss, von denen es keine oder nur wenig Ahnung hat. [...] Das würde auch nicht funktionieren. Und der Arzt würde sich weigern. Ich lehne es auch manchmal ab, fachübergreifend zu arbeiten, und sage, dass ich dafür die Verantwortung nicht übernehmen kann. Aber natürlich wird uns so immer ein schlechtes Gewissen eingeredet. Und jüngere Pflegekräfte trauen sich meist nicht, Nein zu sagen. Also rotieren plötzlich alle in den verschiedenen OP-Bereichen, egal ob Gynäkologie, Neurologie, HNO, Orthopädie, Unfall-, Bauch- oder Kieferchirurgie - obwohl ihnen dafür eigentlich die Qualifikation fehlt. Aber anders ginge es gar nicht, weil die Wechselzeiten immer kürzer werden - also die Zeit zwischen Nahtende beim letzten Patienten und dem Schnittbeginn beim nächsten. In dieser Zeit müssen wir - bei normalen Operationen sind wir mindestens zu zweit, bei großen sollten wir eigentlich zu dritt oder zu viert sein, aber das ist Luxus - das OP-Besteck abräumen und zusehen, dass für die nächste OP alles vorbereitet ist. Oft leitet der Anästhesist schon die neue OP ein; das geht quasi zu wie am Fließband, damit der Saal bloß nie leer steht. Und man denkt oft, da kommen wir nicht mehr hinterher. [...] Wir sollen für andere Menschen da sein, und wir haben diesen Beruf einmal gelernt, weil wir das gern tun. Aber wenn wir mit der Zeit derartig plattgemacht werden, fehlt irgendwann einfach die Kraft, für andere da zu sein."

Juni 2006

Austritt des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) aus dem Arbeitgeberverband illegal

ver.di Pressemeldung, 15.06.2006

Hamburger Arbeitsgericht urteilt gegen das UKE
Tarifflucht ist rechtswidrig! Der Austritt des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) aus dem kommunalen Hamburger Arbeitgeberverband AVH ist rechtswidrig. ... Nun fordern die Krankenschwestern und Klinikbeschäftigten, dass die bundesweit gültigen Tarife gelten - ohne Abstriche beim Lohn und ohne unbezahlte Extra-Arbeit. Das Hamburger Arbeitsgericht hat am 12. Juni 2006 der Klage eines UKE-Beschäftigten stattgegeben. Das ver.di-Mitglied hatte gegenüber dem UKE die Einmalzahlung von 300 Euro aus dem Tarifvertrag des AVH geltend gemacht. Der Tarifvertrag war am 1. Oktober 2005 in Kraft getreten, das UKE war auf der Basis eines Verbandsbeschlusses zum 29. September 2005 aus der AVH ausgeschieden und hatte dabei ein „Sonderkündigungsrecht“ geltend gemacht. Das war rechtswidrig, so die Arbeitsrichter. ver.di hatte die Rechtmäßigkeit dieses Sonderkündigungsrechts angezweifelt und das UKE aufgefordert, die zwischen ver.di und AVH ausgehandelten Tarifverträge, die sogenannten TV-AVH und den TVÜ-AVH, anzuwenden. Dieser Aufforderung kam das UKE nicht nach. Beschäftigte der Klinik haben bei ihrem Arbeitgeber, dem UKE, die Einmalzahlung aus dem TV-AVH von 300 Euro geltend gemacht. Nachdem das UKE die Zahlung abgelehnt hatte, reichte ein Kollege mit Unterstützung von ver.di Klage ein. Die Rechtsauffassung von ver.di wurde nun durch das Gericht bestätigt. Angelika Detsch, zuständige ver.di-Fachbereichsleiterin: „... Das Urteil bedeutet, dass der TV-AVH und der TVÜ-AVH beim UKE zur Anwendung gebracht werden müssen. Das UKE befindet sich in der Tarifbindung: Damit sind die 300 Euro an all die KollegInnen zu zahlen, die unter die Tarifnorm fallen. Damit wackelt die gesamte Konstruktion des dubiosen Krankenhausarbeitgeberverbandes, der nur gegründet wurde, um die Pflegekräfte und Klinikbeschäftigten noch mehr auszupressen. Beim LBK muss genauso entlohnt werden wie beim UKE. Tarifdumping darf nicht zu einem Verdrängungswettbewerb führen. Das UKE hat ein Eigentor geschossen. Gut, dass es couragierte Arbeitnehmer gibt, die sich nicht alles gefallen lassen.“ ...

Siehe auch

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