Qualitätsberichte Krankenhäuser

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Nach § 137 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 SGB V sind alle Krankenhäuser, deren Behandlungskosten Krankenkassen übernehmen dürfen (Unikliniken; Krankenhäuser, die in den Krankenhausplan eines Landes aufgenommen sind; Krankenhäuser mit Versorgungsverträgen mit Kranken- oder Ersatzkassen), verpflichtet, im Abstand von zwei Jahren Qualitätsberichte abzuliefern, die die Krankenkassen im Internet veröffentlichen sollen. Die Qualitätsberichte beziehen sich auf das der Veröffentlichung jeweils vorangegangene Jahr. Zum ersten Mal wurden Qualitätsberichte nach dieser Gesetzeslage im Jahr 2005 veröffentlicht. Inhaltlich bezogen sie sich auf das Jahr 2004.

Krankenhäuser, die ihrer Pflicht zur Ablieferung eines Qualitätsberichts nicht pünktlich nachkommen, werden damit bedroht, dass der Medizinische Dienst eine Prüfung vornimmt. (Wird dessen Prüfberericht dann anstelle des Qualitätsberichts des Krankenhauses veröffentlicht?)



Inhaltsverzeichnis

"Vereinbarungen"

Wie mit den Qualitätsberichten verfahren werden soll und was in ihnen steht, haben zunächst - laut Vereinbarung zum 1.12.03 - folgende Gruppierungen festgelegt:

  • Spitzenverbände der Krankenkassen, und zwar:
    • AOK Bundesverband
    • BKK-Bundesverband
    • IKK-Bundesverband
    • See-Krankenkasse Hamburg
    • Bundesverband der landwirtschaftlichen Krankenkassen
    • Bundesknappschaft
    • Verband der Angestellten-Krankenkassen e.V.
    • Arbeiter-Ersatzkassen-Verband e.V.
  • Verband der Privaten Krankenversicherung
  • Deutsche Krankenhausgesellschaft


Mitreden, aber nicht mitentscheiden durften:

  • die Bundesärztekammer
  • der Deutsche Pflegerat


Mit dem GKV-Modernisierungsgesetz wurde die Entscheidungsgewalt über die Qualitätsberichte an den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) übertragen. In einer Veröffentlichung des G-BA vom Dezember 2007 heißt es:

Im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), dem höchsten Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, das sich mit der Umsetzung und Konkretisierung der gesetzlichen Vorgaben befasst, wurde dazu eine Vereinbarung zwischen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) und den Spitzenverbänden der Krankenkassen abgeschlossen – ohne Stimmrecht beteiligt waren Patientenvertreter, der Deutsche Pflegerat (DPR), die Bundesärztekammer (BÄK) und der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV).

Witzigerweise ist die neue Regelung für 2007 nach wie vor mit "Vereinbarung" überschrieben. Anders als in der für 2003 steht jedoch nicht da, zwischen wem die Vereinbarung getroffen wurde. Anscheinend handelt es sich bei der neuen Regelung um eine "Vereinbarung" des Gemeinsamen Bundesausschusses mit sich selbst. (Bei www.g-gb.de sieht die Vereinbarung 2003 anders aus als die bei www.g-ba.de.)


Ein Vergleich der beiden "Vereinbarungen" zeigt, dass dem G-BA Verschiebungen gelungen sind, die PatientInnen zu Gute kommen:


20032007
Der Qualitätsbericht ist den Landesverbänden der Krankenkassen und den Verbänden der Ersatzkassen sowie dem Verband der privaten Krankenversicherung in elektronischer Fassung unverzüglich zur Verfügung zu stellen. Der Qualitätsbericht ist den Spitzen- und Landesverbänden der Krankenkassen, den Verbänden der Ersatzkassen, dem Verband der privaten Krankenversicherung sowie der Deutschen Krankenhausgesellschaft und den Patientenvertretern nach § 140f SGB V in elektronischer Fassung zur Verfügung zu stellen.
Zum Zwecke der Erhöhung von Transparenz und Qualität der stationären Versorgung können die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Krankenkassen und ihre Verbände die Vertragsärzte und die Versicherten auf der Basis der Qualitätsberichte nach dieser Vereinbarung auch vergleichend über die Qualitätsmerkmale der Krankenhäuser informieren und Empfehlungen aussprechen. In diesem Zusammenhang sind Kommentierungen, Querverweise, Zusammenfassungen usw. deutlich vom Qualitätsbericht selbst abzugrenzen. Werden solche zusätzlichen Informationen auf der Internetseite frei zugänglich veröffentlicht, ist das Krankenhaus hierüber zu informieren. Zum Zwecke der Erhöhung von Transparenz und Qualität der stationären Versorgung können die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Krankenkassen und ihre Verbände die Vertragsärzte und die Versicherten auf der Basis der Qualitätsberichte nach dieser Vereinbarung auch vergleichend über die Qualitätsmerkmale der Krankenhäuser informieren und Empfehlungen aussprechen. In diesem Zusammenhang sind Kommentierungen, Querverweise, Zusammenfassungen usw. deutlich vom Qualitätsbericht selbst abzugrenzen. Diese können auch Informationen zur nicht vereinbarungsgemäßen Lieferung des Qualitätsberichts durch ein Krankenhaus oder zu nachweislich unvollständigen oder fehlerhaften Angaben umfassen. Werden solche zusätzlichen Informationen auf der Internetseite frei zugänglich veröffentlicht, ist das Krankenhaus hierüber zu informieren.



Siehe auch

"Lesehilfe"

Im Dezember 2007 gab der G-BA eine "Lesehilfe" heraus, die PatientInnen helfen soll, Qualitätsberichte besser zu verstehen.

In dieser "Lesehilfe" gesteht der G-BA - in angemessen oberlehrerhafter Diktion - ein, dass zwischen Krankenhäusern praktisch kein marktwirtschaftlicher Wettbewerb möglich ist und das DRG-System nicht ganz angebracht:

Nun ist es aber nicht leicht, die Qualität eines Krankenhauses zu messen. Die Medizin hat es mit komplizierten Systemen zu tun: mit Menschen, die nicht nur aus einem Körper mit vielen Organen bestehen. Die Menschen unterscheiden sich in ihren jeweiligen Bedürfnissen und Erwartungen, im Aufbau ihres Körpers und im Ablauf der Funktionen des Körpers. Deshalb können sie unterschiedlich auf die gleiche medizinische Behandlung reagieren. Darüber hinaus müssen auch seelische, soziale, geistig-mentale und vielleicht auch religiös-spirituelle Dimensionen bedacht werden, um den Menschen mit seiner Krankheit zu verstehen und dem wichtigsten Ziel der Medizin – der Genesung des Menschen – gerecht zu werden. ... Zusätzlich erschweren äußere Faktoren die Messung der Qualität im Krankenhaus. Beispielsweise hat das Krankenhaus auf die medizinische Versorgung vor der Aufnahme eines Patienten in der Regel keinen Einfluss. Auch die hohe Komplexität im Aufbau und Funktionieren eines Krankenhauses trägt dazu bei, dass das Messen und Sichern von Qualität hier eine wesentlich größere Herausforderung darstellt als zum Beispiel in der Industrie.
Wenn in der Abteilung eines Krankenhauses, die Menschen nach einem Herzinfarkt behandelt, wenige Patienten versterben, kann das ein Hinweis auf gute Qualität der dortigen Behandlung sein. Es kann aber auch auf etwas ganz anderes hindeuten: etwa dass die Notfallversorgung vor Erreichen des Krankenhauses nicht gut funktioniert; dann sterben besonders gefährdete Infarktpatienten schon beim Transport ins Krankenhaus – und es ist kein Wunder, dass die Sterbestatistik im Krankenhaus so gut aussieht. ... Ein weiteres Beispiel: ... ein Krankenhaus liegt in einem Stadtteil, der durch geringen sozialen Status seiner Bewohner, große soziale Spannungen und vielleicht Drogenprobleme geprägt ist. Patienten, die in dieses Krankenhaus kommen, sind häufig viel kränker, viel gefährdeter oder sprechen schlechter auf eine bestimmte Therapie an. ... Wahrscheinlich sind hier die Ergebnisse entsprechend weniger gut als in einem „nobleren“ Viertel mit z. B. jüngeren und wohlhabenden Bewohnern. Um beide vergleichbar zu machen, muss das unterschiedliche Risiko, das die verschiedenen Patienten mitbringen, in die Betrachtungen einbezogen werden. Verfahren, die dieses versuchen, heißen „Risikoadjustierung“. Je sorgfältiger das Risiko der Patienten berücksichtigt wird, desto eher kann das Ergebnis der medizinischen Versorgung dieser Patienten in verschiedenen Krankenhäusern verglichen werden. Aus verschiedenen Gründen können noch nicht einmal alle bekannten Risikofaktoren vollständig berücksichtigt werden. Folglich sind die Ergebnisse immer mit gewissen Unsicherheiten behaftet.
Während einerseits maximale Transparenz wünschenswert erscheint, besteht andererseits die Gefahr [sic!], dass die Veröffentlichung von Daten für das einzelne Krankenhaus auch die Preisgabe von „Betriebsgeheimnissen“ bedeutet. ... Aus diesem Grund ist der Qualitätsbericht an einigen Stellen ein Kompromiss zwischen den verschiedenen Interessen der Partner im Gesundheitswesen.
Ranglisten [von Krankenhäusern] sind aus wissenschaftlicher Sicht problematisch, häufig sogar unseriös und können zu Fehlinformation der Patienten führen ...
Über den Zusammenhang zwischen der Anzahl einer bestimmten Operation, die eine Abteilung oder ein Arzt pro Jahr vornimmt, und der Qualität bzw. dem Operationsergebnis sind sich die Experten nicht einig ... Es gibt sogar Hinweise, dass die Qualität wieder schlechter werden kann, wenn die Anzahl einer bestimmten Operation besonders hoch ist.


Nach der "Lesehilfe" zur urteilen, besteht der Hauptnutzen der Qualitätsberichte für PatientInnen wohl darin, dass sie PatientInnen ermöglichen, Krankenhäuser zu vermeiden, die nicht über die für sie erforderliche technische Ausrüstung und das für sie erforderliche Fachpersonal verfügen. - Gefahren, die allerdings auch ohne Qualitätsberichte nicht bestehen sollten, jedoch durch die Konkurrenzsituation der Krankenhäuser und ihre notorische Geldknappheit (je nachdem hervorgerufen durch die Geldknappheit oder durch die Gewinnerwartungen ihrer Träger) erhöht werden.

Bertelsmann

Im Jahr 2006 beschloss der G-BA, dass die Daten der Krankenhaus-Qualitätsberichte den PatientInnen-Organisationen im G-BA zur eigenen Nutzung zur Verfügung gestellt werden sollen. Daraufhin hat sich die Bertelsmann Stiftung angeboten, die Daten für die PatientInnen-Organisationen aufzubereiten - aber nicht nur das ...

In einer Pressemitteilung vom 30.11.07 erklärte die Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen und -Initiativen (BAGP):

Die Patientenorganisationen möchten diese Daten [der Qualitätsberichte] so aufbereitet haben, dass sie jeder Bürgerin, jedem Bürger für die Suche nach einem geeigneten Krankenhaus nützlich sind. Ende 2006 ist die Bertelsmann Stiftung an die Patientenorganisationen herangetreten mit dem Vorschlag, eine entsprechende Datenbank zu entwickeln, die sogenannte "Weisse Liste".
Nach gründlichen Überlegungen hat die BAGP entschieden, den Vertrag über die gemeinsame Nutzung der Daten mit der Bertelsmann Stiftung nicht zu unterschreiben. Das Vertragsangebot sah ausschließliche Nutzungsrechte an den Daten für die Bertelsmann Stiftung vor. Recherchen über die Bertelsmann Stiftung haben zudem Zweifel ergeben ob diese Stiftung für dieses Projekt der geeignete Partner ist. So fördert die Bertelsmann Stiftung beispielsweise das Centrum für Krankenhausmanagement (CKM), ein deutlich auf Privatisierung und Ranking der Krankenhäuser ausgerichtetes Institut. Es bestehen personelle Verflechtungen zwischen der Bertelsmann Stiftung und einer Klinikgruppe (Röhn-Klinikum GmbH). Die Gemeinnützigkeit der Bertelsmann Stiftung [wird] immer wieder öffentlich angezweifelt.


Laut Ver.di Publik vom Dezember 2007 hat der G-BA

die Herausgabe des vollständigen Materials [der Qualitätsberichte] an mehrere Patientenverbände, darunter der Sozialverband Deutschland (SoVD) und die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), verweigert. ... Der Grund: Diese Patientenverbände wollen gemeinsam mit der umstrittenen Bertelsmann-Stiftung ein Internet-Portal anbieten, das die Klinikdaten "leicht verständlich, vergleichbar und nutzerfreundlich aufbereitet", wie es beim SoVD heißt. Die Stiftung gilt jedoch der Mehrheit im Gemeinsamen Bundesausschuss als "kommerzieller Anbieter", zu wenig unabhängig vom Konzern Bertelsmann. "Gravierende rechtliche Vorbehalte" hätten dazu geführt, dass der GB-A sich nicht entschließen konnte, zum jetzigen Zeitpunkt die Daten uneingeschränkt an alle Patientenvertretungen weiterzugeben ... Da die "Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen und -Initiativen" (BAGP) sich nicht an dem Online-Projekt mit der Bertelsmann Stiftung beteiligt, hat der G-BA ihr nun die vollständigen Klinikdaten ausgehändigt. ... Derzeit verhandeln die Patientenvertreter, die mit der Bertelsmann-Stiftung die Kooperationsvereinbarung unterschrieben haben, erneut über die Verträge. "Die Stiftung zeigt sich durchaus gesprächsbereit", sagt Etgeton von der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Der SoVD und Bertelsmann haben beide mit derselben PR-Agentur zu tun. Siehe dazu unten.

Über das Projekt "Weisse Liste" schreibt die Bertelsmann Stiftung in ihrem Jahresbericht 2006:

Trotz der inzwischen verbindlichen Veröffentlichung von Qualitätsberichten der Krankenhäuser suchen Patienten und Angehörige meist vergeblich nach unabhängigen und allgemein verständlichen Informationen, die sie bei der Wahl eines Krankenhauses, Arztes oder weiterer Therapeuten wirksam unterstützen. Das Projekt „Weiße Liste – Patienten unabhängig informieren“ soll die Nutzer über Angebot und Qualität der stationären Krankenversorgung informieren – und zwar auf der Basis fachlich fundierter und valider Indikatoren. Dazu werden die methodischen Grundlagen für die bedarfs- und bedürfnisgerechte Patienteninformation weiterentwickelt. Ein auf die Nutzeranforderungen abgestimmtes Internet-Portal mit zielgruppenspezifischen Berichtsformaten soll aufgebaut werden. Das unabhängige Versorgungs-Informationsportal wird mit den bereits vorliegenden Strukturen für die persönliche Patientenberatung vernetzt. Es soll allen Versicherten, Patienten und Patientenberatern Ende 2007 zur Verfügung stehen. In einer zweiten Ausbaustufe werden auch Informationen über weitere Leistungserbringer wie Arztpraxen und Rehabilitationseinrichtungen einbezogen.

Mit den bereits vorliegenden Strukturen für die persönliche Patientenberatung sind anscheinend die PatientInnen-Organisationen im G-BA gemeint, die mit Bertelsmann kooperieren. Falls dies zutrifft, geht die angestrebte Kooperation anscheinend über das Projekt eines Internet-Portals hinaus: es ist von einer Vernetzung mit den Strukturen der PatientInnen-Organisationen die Rede.

Das Internet-Portal hat die Bertelsmann Stiftung bereits eingerichtet: http://www.weisse-liste.de/ Dort heißt es:

Die Daten aus den Strukturierten Qualitätsberichten werden ... durch Ergebnisse einer bundesweiten Patientenbefragung sowie durch optionale Zusatzangaben der einzelnen Kliniken ergänzt. ... In der Konzeption der Weissen Liste ist kein Ranking im klassischen Sinne vorgesehen. Stattdessen soll die Internet-Plattform den Nutzern ermöglichen, ein vor dem Hintergrund der individuellen Bedürfnisse passendes Krankenhaus zu ermitteln. Dies wird über einen indikationsspezifischen Suchassistenten erreicht, der den Behandlungswunsch abfragt und nach der Präzisierung der jeweiligen Präferenzen in einer Entscheidungsmatrix mündet, die die Auswahl einer Klinik unterstützt. Welche Indikatoren und Kriterien bei der Auswahl eines Krankenhauses maßgeblich sind, entscheidet der Nutzer selbst.
Neben dem Portal wird auch eine Informationsvermittlung über Patientenberatungsstellen und Telefon-Hotlines angestrebt. Langfristiges Ziel ist es, eine vertrauenswürdige und unabhängige Erkennungsmarke für Transparenz im Gesundheitswesen zu etablieren.


Siehe auch


Sozialverband Deutschland e.V. (SoVD)

Wie die Bertelsmann Stiftung ist der SoVD Kunde der "Kommunikations"agentur komm.passion, zu deren Kunden außerdem Bayer Health Care und andere Pharmafirmen, Charité Berlin, Helios Kliniken, McKinsey, Price Waterhouse Coopers u.a. gehören. (Info bei komm.passion, gelesen 24.12.07)


Mitteilung von komm.passion 17.10.07:

Für den Sozialverband Deutschland e.V. (SoVD) entwickelte komm.passion die Image- und Mitgliederkampagne „GUT TUN – TUT GUT“. Ziel ist es, über das Thema „ehrenamtliches Engagement“ den SoVD in der Öffentlichkeit als moderne Organisation zu positionieren und gleichzeitig die Mitglieder zum Mitmachen zu motivieren. Für diese Kampagne wurde komm.passion mit dem Deutschen PR-Preis 2007 in der Kategorie PR-Arbeit im Non-Profit-Bereich ausgezeichnet.

Im Jahr zuvor hatte Bertelsmann diesen Preis erhalten - für die Kampagne "Du bist Deutschland". (hamburg.de 11.9.06)


eNews-ARCHIV 9.7.03:

arvato systems, ein Tochterunternehmen der arvato Bertelsmann AG, kooperiert mit der Beratungsagentur komm.passion: Die Düsseldorfer komm.passion Agentur güttler+klewes wird Vertriebspartner für die Software IM-Net. Das Programm organisiert Früherkennung und Management von kontroversen öffentlichen Themen, die Unternehmen oder Verbände betreffen. Das "IM-Net ergänzt hervorragend unseren Beratungsansatz," erläutert Prof. Dr. Joachim Klewes, CEO von komm.passion, die Kooperation. "Wir liefern die analytische und konzeptionelle Komponente und bringen das Gespür für Themen ein, die früher oder später in der Öffentlichkeit kritisch werden können." Die Software erleichtert weltweit die Medienbeobachtung. Beispiel Bertelsmann AG: mehr als 40.000 Artikel und Internetseiten werden pro Tag mit einer speziellen Suchtechnologie gescannt, gefiltert und in einer Datenbank archiviert. Dabei werden Nachrichten-Agenturen wie Reuters, dpa, die Tages- und Wochenpresse (cirka 11.000 Quellen in vier Sprachen), das Internet mit cirka 1.000 relevanten Websites und E-Mail-Newsletter erfasst. Individuelle Filter ermöglichen es jedem Nutzer, selbst hochspezielle Themen automatisch und effizient zu beobachten. Die Software verwaltet auch entstandene Positionspapiere und Korrespondenz - inklusive persönlicher Alert-Funktionen via E-Mail oder SMS.

Arvato versucht, öffentliche Verwaltungsfunktionen zu übernehmen. Siehe dazu Bertelsmann Stiftung: Arvato Direct Services.

Siehe auch

Verbraucherzentrale

Wie auch der Sozialverband hält die Verbraucherzentrale Bundesverband die Bertelsmann Stiftung für einen von kommerziellen Interessen unabhängigen Partner. Siehe dazu die Pressemitteilung der vzbv vom 23.11.07 und ihre Hintergrundinfo.


Dr. Silke Lüder: Bertelsmann - Eine Stiftung macht Politik (ca. Anfang 2008) berichtet über einen personellen Zusammenhang zwischen Verbraucherzentrale Bundesverband und Bertelsmann Stiftung:
Neun Jahre lang hat Thomas Isenberg den Fachbereich Gesundheit und Ernährung beim Bundesverband der Verbraucherzentralen geleitet. Ab 1.9.2007 hat er einen neuen Job. „Es passte einfach“, so Isenberg als Begründung im Deutschen Ärzteblatt. Er wird Programm Manager im Themenbereich Gesundheit der Bertelsmann Stiftung, auf strategischem Posten sozusagen. (Dt. Ärzteblatt vom 6.8.2007).


Die Verbraucherzentralen stehen wegen der Kürzungen öffentlicher Mittel unter Druck, sich "Sponsoren" zu suchen.


Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) betreibt in Kooperation mit den Betriebskrankenkassen (BKK) das Netzwerk Pflegeberatung. Die Bertelsmann BKK ist eine kleinere Krankenkasse unter 188 Betriebskrankenkassen (Stand: 2007).


Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen beteiligte sich eine Zeit lang am Portal unicheck.de, das StudentInnen bei der Auswahl einer Universität helfen soll.

Selbstdarstellung Unicheck, gelesen 24.12.07:

Ausgedacht und bezahlt wurde Unicheck von der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM), eine von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektro-Industrie finanzierte Initiative, die für Reformen in Deutschland im Sinne des Vaters der Sozialen Marktwirtschaft, Ludwig Erhard, wirbt. Kooperationspartner von Unicheck sind das Campusmagazin „UNICUM,“ die Tageszeitung „Financial Times Deutschland“ und das größte deutsche Verbrauchermagazin "Guter Rat".

Im Wiki Bildung schadet nicht heißt es:

Die Bertelsmann Stiftung und die vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall finanzierte INSM betreiben eine Art Arbeitsteilung bei der Vermittlung neoliberaler Propaganda an die Öffentlichkeit. Wo Bertelsmann als Medienkonzern nicht offensiv PR betreiben kann, ohne Misstrauen zu erregen oder den eigenen Ruf zu schädigen, wird die INSM tätig. Bertelsmann liefert dafür Hintergrund-Studien und bietet der INSM in seinen Medien ein Forum, zum Beispiel als Medienpartnerschaft mit dem Bertelsmann-Blatt Financial Times Deutschland (50%ige Bertelsmann-Tochter). Einer der Geschäftsführer ist Tasso Enzweiler, zuvor Chefreporter der Financial Times Deutschland. Das Kuratorium der INSM bereichert Oswald Metzger, Bündnis 90/Die Grünen, "Fellow" der Bertelsmann Stiftung.

Die Verbraucherzentrale musste sich aufgrund öffentlicher Kritik aus der Kooperation mit INSM zurückziehen.

Pressemitteilung INSM 16.5.07:

Die Verbraucherzentrale sah sich jedoch verstärkt einem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt, weil sie einerseits „eine kritische Haltung zu Studiengebühren hat“, andererseits aber auf dem Portal www.unicheck.de Verbraucherinfos rund um die eingeführten Gebühren anbot. Bei dieser kontroversen Rezeption sehen die Verbraucherschützer den langfristigen Ressourcenaufwand als zu hoch an, um ihre "differenzierte Haltung zu dieser Thematik ausreichend" kommunizieren zu können. Die Kooperationspartner trennen sich im gegenseitigen Einvernehmen. "Wir bedanken uns für die Zusammenarbeit", sagt Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW.


Die taz NRW vom 20.3.07 berichtet über ein Projekt "Anfiv":

[Der Vorsitzende der Verbraucherzentrale NRW] Klaus Müller kann sich ... eine themenbezogene Zusammenarbeit vorstellen. Etwa, wenn [ein] Unternehmen bereit wäre, umweltfreundliche Verbraucherkennzeichnungen bekannt zu machen. Genaueres soll im Anfiv-Projekt erarbeitet werden, das übrigens schon von Firmen gesponsort wird: von der Ing-Diba-Bank, der Postbank und den Stadtwerken Düsseldorf. Die Bertelsmann-Stiftung ist ebenfalls eingebunden. "Die Wirtschaft sieht die Verbraucher nicht mehr nur als Feind", weiß Jutta Gelbrich von der Verbraucherzentrale in Hessen. Das Anfiv-Projekt in Nordrhein-Westfalen sieht sie positiv. "Da wird Vorarbeit geleistet, die allen nutzen kann."

Siehe auch

Persönliche Werkzeuge