Marseille-Kliniken

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Die Marseille-Kliniken AG (MKAG) besitzt 61 Einrichtungen mit rund 5.000 MitarbeiterInnen v.a. im Bereich der Alten- und „Behinderten“-Plege* und der Rehabilitation. (MKAG Info, gelesen 26.11.06)

Die MKAG verfolgt das Ziel, größter deutscher börsennotierter Betreiber von Pflegeeinrichtungen zu werden. (Geschäftsbericht 2003/04)

Liebe Aktionäre ... Der Bereich Pflege, der fast 75% zu unserer Wertschöpfung beiträgt, ist krisenfest, expansiv und arbeitet hoch rentabel. (Vorstandsvorsitzender Axel Hölzer im Geschäftsbericht 2003/04)


(*) Zum Wort „Behinderte“ siehe Wortschwellen.



Inhaltsverzeichnis

Gesellschaftspolitische Einflüsse

Universitätskliniken, Universitäten

Eine Tochter der MKAG ist die Karlsruher-Sanatorium-AG (KASANAG). Im wissenschaftlichen Beirat der KASANAG betätigt sich ein gewisser Prof. U.K., seit 1993 Direktor der Abteilung Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und Inhaber zahlreicher weiterer Funktionen.

Über das eqs.-Institut, einer Tochtergesellschaft der MKAG, bestehen Verbindungen zur Universität Mannheim, zur Universität Freiburg, zum Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, zur Medizinischen Hochschule Hannover und zur Humboldt-Universität Berlin.

WMP EuroCom AG, Genscher

Im Aufsichtsrat der MKAG spielt die WMP EuroCom AG, eine Art Kommunikationsberatungs-Unternehmen, eine wichtige Rolle. In deren Aufsichtsrat sitzen u.a. Peter Heesen (Bundesvorsitzender Deutscher Beamtenbund und Tarifunion - dbb), Peter Glotz (ehemaliges Mitglied des Nationalen Ethikrats und so einiges noch) und ehrenhalber Hans-Dietrich Genscher.

Hans-Dietrich Genscher, Freund der Familie Marseille, hielt 2004 die Festrede zum 20-jährigen Jubiläum der MKAG.


Donald Trump

Im Aufsichtsrat der Marseille-Kliniken AG ist die Trump Deutschland AG vertreten. 2000 als Gemeinschaftsunternehmen von Marseille-Kliniken und US-Immobilien-Unternehmer Donald Trump gegründet, verklagte Trump Deutschland 2004 die Stadt Stuttgart auf Schadensersatz in Millionenhöhe, weil diese den Bau eines 180 m hohen Luxushotels unterbunden hatte.

Marseille Kliniken verklagte am 22. Dezember 2004 die Trump Organization Inc. auf Zahlung von 2 Mio. € von Anteilen an der gemeinsamen Gesellschaft TD Trump Deutschland AG. (Marseille Pressemitteilung 5.1.05)

Gegen U.M., Aufsichtsratsvorsitzender und Hauptaktionär der Marseille Kliniken, ermittelt seit Oktober 2004 die Staatsanwaltschaft wegen Bilanz- und Urkundenfälschung bei der TD Trump Deutschland AG, die eine Tochter der Marseille Kliniken ist. Nach Angaben der Neuen Westfälischen 24.4.05 führt U.M. die Ermittlungen auf den „Racheakt“ des fristlos entlassenen Vorstandsvorsitzenden und CDU-Politikers Wilhelm Hecker zurück.

Hecker habe laut U.M. gehen müssen, so die Neue Westfälische weiter, weil er dem Architekturbüro der Tochter von Norbert Blüm (der eine Zeit lang im Marseille-Aufsichtsrat saß) einen Projektauftrag zugeschanzt habe. Er habe außerdem einen Schwager als Berater engagiert. Hecker wies diese Behauptung zurück und sagte, er sei wegen „Unregelmäßigkeiten“ gegangen, „die ich nicht mehr mittragen konnte“.

Siehe auch

Arthur Andersen

Der Vorstandsvorsitzende der MKAG, Axel Hölzer, arbeitete von 1988 bis 1995 in der Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung bei Arthur Andersen, deren Zweig Andersen Consulting in Accenture mündete, für die auch M.K., bis Januar 2005 Geschäftsführer bei Ameos/ vormals bei Medica tätig war.

Lufthansa, Airbus

Hölzer ist Vorstandsvorsitzender der SCS-Standard Computer Systeme AG, die mit der Lufthansa kooperiert, einer wichtigen Kundin von Airbus.

Ende 2004 bezog ein Vertreter der MKAG in Hamburg-Harburg öffentlich Stellung gegen die Hamburger Kirchengemeinde St. Pankratius. Der Vorstand dieser Kirchengemeinde weigert sich, ein Grundstück zu verkaufen, das Airbus für die Verlängerung seiner Startbahn in Hamburg-Neuenfelde haben will.

In Neuenfelde wird seit 900 Jahren Landwirtschaft betrieben. St. Pankratius wurde im 12. Jahrhundert erbaut und beherbergt den Leichnahm von Arp Schnitger sowie eine seiner weltberühmten Orgeln. Der Hamburger Senat kaufte zur Unterstützung von Airbus viele Häuser auf, die jetzt leer stehen, so dass das Dorf Neuenfelde wie ein Geisterdorf wirkt. Die Kirchengemeinde verlangt u.a. verbindliche Arbeitsplatzgarantien, die Airbus aber nicht geben will (Erklärung des Neuenfelder Kirchenvorstandes).


Weitere Quellen


Schill-Partei

Der Tagesspiegel 2.2.02:

In Sachsen-Anhalt verfügt die Partei Rechtsstaatliche Offensive von ... Ronald Barnabas Schill seit Sonnabend über ihren ersten Landesverband außerhalb Hamburgs. Ulrich Marseille, Betreiber von etlichen Alten- und Pflegeheimen, ist zum Landeschef gewählt worden.

Die Zeit Nr.49, 29.11.01:

Kürzlich wollte Ronald Schill Marseille in Hamburg als Senator gewinnen. Doch der Unternehmer sagte ab, denn das Gesundheitsressort, das wäre "ja nur ein Teilbereich von dem, was ich besonders gut beherrsche". Marseille will mehr. Seit einigen Tagen nennt er sich Koordinator der Partei Rechtssstaatlicher Offensive für Sachsen-Anhalt. Damit Schills Partei dort bei den Landtagswahlen im April antreten kann, soll Marseille möglichst schnell einen schlagkräftigen Landesverband organisieren. 60 000 Mark hatte er Schills Partei bereits für den Hamburger Wahlkampf gespendet. ...

Vor drei Jahren hat sich der Unternehmer Marseille schon einmal in Sachsen-Anhalt politisch engagiert. Aus dem Nichts heraus kandidierte zu den Kommunalwahlen in Halle/Saale die Mieter&Bürgerliste, eine neu gegründete Partei. Innerhalb kürzester Zeit pflasterte sie die Stadt mit ihren Plakaten voll, im Radio liefen ihre Werbespots. Geldmangel kannte die Liste offenbar nicht. Der Sponsor im Hintergrund hieß Ulrich Marseille, von einer sechsstelligen Summe war damals die Rede. "Ich habe die unterstützt", bestätigt er. Doch in Halle bestehen bis heute Zweifel an Marseilles Selbstlosigkeit. Auf manchem Plakat stand damals: "Mafia-Marseille".

Berliner Zeitung 5.7.03:

Einer der wichtigsten Geldgeber der Schill-Partei hat seine Parteiämter niedergelegt. Der Multimillionär und Mitbegründer der Marseille Kliniken AG, Ulrich Marseille, ist am Freitag vom Landesvorsitz der Partei in Sachsen-Anhalt zurück getreten. "Ich habe beruflich zu viel tun, das lässt mir auf Dauer keine Zeit für aktive Politik", sagte der Unternehmer der Berliner Zeitung. ...Die Partei in Hamburg wurde von dem Rücktritt überrascht. Er habe es von den Medien erfahren, sagte Norbert Frühauf, Fraktionsvorsitzender in der Hamburger Bürgerschaft und Mitbegründer der Partei. "Streit hat es nicht gegeben", sagte Frühauf über das Verhältnis zu Marseille.


Siehe auch

Prozesse gegen Sachsen-Anhalt und Brandenburg

Der Tagesspiegel 2.2.02:

... Marseille ... erreichte erst kürzlich in einem Prozess gegen das Land, dass über seine Fördermittelanfrage neu entschieden werden muss. ... Insgesamt führt Marseille 19 Prozesse gegen das Land. ... Vor etlichen Jahren hatte er der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Halle/Saale etliche Plattenbauhochhäuser im sozialen Brennpunkt Halle-Neustadt abgekauft ... Als die Nachfrage nach Mietwohnungen sich nicht so entwickelte, ... verklagte er die Wohnungsbaugesellschaft auf Schadensersatz, ersatzweise Rücknahme der Wohnungen. Erfolglos.

Die Zeit Nr.49, 29.11.01:

Der Unternehmer verklagte die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Halle-Neustadt (GWG) auf 115 Millionen Mark Schadenersatz plus Zinsen. Begründung unter anderem: Die GWG hätte ihm das Ausmaß des Leerstandes wie einen massiven Schabenbefall verschwiegen. Er sei also "arglistig getäuscht" worden. ... Anfang 2001 hatte das Zivilverfahren mit der GWG ein Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelte gegen Ulrich Marseille und einen Mitarbeiter wegen des Verdachts der Falschaussage und des versuchten Prozessbetruges. Ein Zeuge soll wenige Tage vor seiner Aussage im "Schaben-Prozess" massiv eingeschüchtert worden sein. ... Später wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt. "Aussage stand gegen Aussage", erklärt Marseille mit einem Lächeln. ...

... in Brandenburg ... übernahm seine Kliniken AG nach der Wende Altenheime und errichtete so genannte Senioren-Wohnparks. ... Für die Marseille-Kliniken waren 568 geförderte Altenpflegeplätze vorgesehen. Das Unternehmen baute ... 1161 Plätze ... und forderte vom Ministerium auch für die über Plan gebauten Plätze Fördermittel. Das Land stellte sich quer. Marseille zog wieder einmal vor Gericht.

Als er dort nicht weiterkam, geschah etwas Ungewöhnliches. Am 19. August 1999, zwei Wochen vor den Brandenburger Landtagswahlen, fuhren mehrere Busse vor dem Sozialministerium in der Potsdamer Heinrich-Mann-Allee vor. Ihnen entstiegen etwa dreihundert Senioren, die sich zu einer Demonstration sammelten. Die ORB-Journalistin Andrea Röder, die einige von ihnen interviewen wollte, erinnert sich, dass viele der offenbar demenzkranken Alten gar nicht wussten, was sie dort sollten. "Die einen glaubten, sie demonstrierten für den Frieden, die anderen für ihre Rente", erzählt sie. Als eine Zeitung später schrieb, Marseille habe "lauter alte Leute" nach Potsdam "gekarrt", ging er zwar gerichtlich dagegen vor, räumte aber ein, dass er die Aktion "unterstützt" habe. ... Nach der Landtagswahl - in Brandenburg regierte mittlerweile eine Große Koalition - kam es zu Vergleichsverhandlungen. Marseille hatte die CDU 1999 mit 165 000 Mark unterstützt. ... "Marseille wollte alle 1161 Plätze gefördert haben, bekommen hat er aber nur 586 statt 568, also 18 Plätze mehr als vorher im Investitionsplan standen", sagt ein Beamter. Immerhin, nun sei der Konflikt beigelegt. [Der] Verhandlungsführer[] im Ministerium ... Ex-Referatsleiter Gregor Kempkens, der für das Investitionsprogramm zuständig war, ist inzwischen Staatsrat in der Hamburger Umweltbehörde, also zweiter Mann in einem der drei Ressorts der Schill-Partei.

Sale-and-leaseback

Zwecks Schuldenabbau verkaufte die MKAG Ende 2004 zwölf ihrer Altenpflegeeinrichtungen mit 1.500 Betten für rund 100 Mio. € an General Electric/GE Commercial Finance, um sie dann zurückzumieten. Das nennt sich Sale-and-leaseback-Verfahren (Pressemitteilung 20.12.04). Ein ähnliches Finanzierungsmodell wenden bundesdeutsche Kommunen seit 1995 an.


Nachrichten

Juni 2005: Ver.di kritisiert Zustände in Herner Altenheim

Ver.di Presseerklärung 17.6.05:

Als für Bewohner und Beschäftigte unzumutbar bezeichnete heute die Gewerkschaft ver.di die Zustände im Herner Altenheim Flora Marzina. Das Altenpflegeheim gehört zur Marseille Kliniken AG, die die Einrichtung 1998 von der Stadt Herne gekauft hatte.

„Seitdem hat der neue Eigentümer das Altenheim regelrecht verkommen lassen“, sagte Dietmar Skowasch-Wiers von ver.di Bochum/Herne. „Die Bewohner und Mitarbeiter leiden seit langem unter baulichen Mängeln wie Schimmel an den Wänden und regennassen Decken“.

Hinzu kämen Sicherheitsrisiken bei Aufzügen und Notausgängen. Obwohl Betriebsrat, Heimbeirat und Heimaufsicht seit geraumer Zeit auf Abhilfe drängen, habe die Marseille Kliniken AG bislang nicht reagiert. ver.di begrüße daher ausdrücklich, dass sich nun das Bauordnungsamt und das Gesundheitsamtsamt Herne eingeschaltet hätten. Gemeinsam mit Feuerwehr und Heimaufsicht wollen die Behörden am kommenden Freitag (24. Juni) eine Begehung des Altenheims durchführen.

„Wir hoffen, dass dann endlich Bewegung in die Angelegenheit kommt“. Eine Teilschließung der Einrichtung wäre eine Katastrophe für Mitarbeiterinnen und Bewohner von Flora Marzina, betonte der Gewerkschafter. Dass es soweit gekommen sei, nannte Skowasch–Wiers vollkommen unverständlich. Seines Wissens habe die Marseille Kliniken AG 1998 beim Kauf der beiden städtischen Altenheime zugesagt, mehr als 12 Millionen DM zu investieren. Weder dies noch die Zusage, tarifliche Regelungen zu übernehmen, sei jedoch jemals in die Tat umgesetzt worden. „Tatsache ist, dass das Haus in einem miserablen Zustand ist und die Beschäftigten unter einer dünnen Personaldecke, schlechter Bezahlung und miesen Arbeitsbedingungen leiden“.

kma-online vom 4.10.06 berichtet, der Zustand der Altenheime Koppenbergs Hof und Flora Marzina sei laut Ver.di marode geblieben. Dietmar Skowasch-Wiers von Verdi Bochum/Herne vermute, die Marseille-Kliniken wollen hinter den Kulissen Zuschüsse vom Land für die Sanierung erwirken.


Siehe auch

Dezember 2006: Pflegeeinrichtung für türkische SeniorInnen

Pressemitteilung der Marsaille-Kliniken AG 15.12.06:

Marseille-Kliniken haben deutschlandweit erste Pflegeeinrichtung für türkische Senioren eröffnet
Rund 180 Gäste haben Freitagabend, 15. Dezember, im festlichen Rahmen in Berlin-Kreuzberg die erste Pflegeeinrichtung Deutschlands eingeweiht, in der ausschließlich türkischstämmige Senioren gepflegt werden. Die Marseille-Kliniken AG, führender börsennotierter Pflegeheimbetreiber Deutschlands, und die Türkische Gemeinde zu Berlin (TGB) haben dieses Pilotprojekt gemeinsam verwirklicht. Während einer Feierstunde, an der Prominenz aus Politik, Wirtschaft sowie Vertreter von Verbänden und Pflegeeinrichtungen teilgenommen haben, wurde der Startschuss für „Türk Huzur Evi“, das übersetzt so viel wie „Haus zum Wohlfühlen“ heißt, gegeben. ...

Februar 2007: Ulrich Marseille vor Untersuchungsausschuss zum Bremer Klinikskandal

Ulrich Marseille, der Aufsichtsratsvorsitzende der Marseille-Kliniken AG, sagte vor dem Untersuchungsausschuss zum Bremer Klinik-Skandal aus.

Radio Bremen - Online Tagebuch von Theo Schlüter zum Klinikskandal: 13. Tag (6.2.07):

Der Aufsichtsratsvorsitzende ("Aufsichtsratsvorsitzender" gab er heute als Beruf an) der Marseille-Kliniken AG riss ein - wie sagt man das - wahres Feuerwerk ab. Nach Eigenaussage ist er Herr über ein Klinik- und Altenheim-Imperium mit 120 Tochtergesellschaften mit über 8.000 Betten und 5.500 Beschäftigten. Ein Mann, der es gewohnt ist, mit Bundesministern zu speisen, der mit Gasprom verhandelt und der "im Oktober noch mit Herrn Stolpe auf Kuba war". Einem solchen Mann fällt es schwer, sich Fragen einer kleinen grünen Fraktionsvorsitzenden in Bremen gefallen lassen zu müssen. Fragen nach seinen geschäftlichen Verbindungen zu A.L. oder dazu, wieso er den (A.L.) eigentlich als Geschäftsführer angestellt habe, nachdem er in Bremen unrühmlich entlassen worden war. Das Grundgesetz war es, dass Marseille laut Marseille dazu veranlasst hat. "Für mich gilt die Unschuldsannahme, solange jemand nicht verurteilt ist." ... Es dauert lange, bis er bereit ist, auf Fragen zu antworten. Auf die zum Beispiel, wie lange er A.L. kenne, warum er ihm die Immobilie Siekertal-Klinik vermietet habe, warum er ihm 3,2 Millionen Euro Schulden gestundet habe und und und… Manchmal sagt Marseille was, manchmal sagt er nichts, manchmal waren andere zuständig, manchmal kann er sich nicht erinnern.

Siehe auch


Hinweis: Personennamen wurden gekürzt - auch innerhalb von Zitaten.

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