Krankenhausführer
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Entwicklung der Krankenhausführer in Deutschland
Die älteste Publikation, die die Qualität von Kliniken transparent machen wollte, ist nach aktuellem Wissenstand des Verfassers dieses Artikels das Buch „Krank in Hamburg“, das der Germa Press Verlag 1984 veröffentlichte. 1989 erschien eine zweite Auflage, 1990 ein ähnliches Buch „Krank in Berlin“.
Ab 1993 veröffentlichte das Magazin „Focus“ regelmäßig Ärztelisten, die sowohl im Magazin, als auch in Buchform erschienen.
1997 und 1999 bewertete die Stiftung Warentest Kliniken in Berlin und Köln, Düsseldorf und Essen. Inzwischen erschienen Tests in diversen Zeitschriften und Büchern.
Mit dem Aufkommen des Internets lag es nahe, solche Informationen nicht nur punktuell in gedruckter Form, sondern kontinuierlich im Internet anzubieten. Der erste Internet-Krankenhausführer ging 2003 online (www.krankenhausfuehrer.de); 2004 folgte der Klinikführer Rhein-Ruhr (www.kliniken-rhein-ruhr.de), 2005 der AOK Krankenhausnavigator (nicht mehr öffentlich zugänglich), 2006 der Berliner Kliniktest (www.tagesspiegel.de/berlin/kliniktest/) sowie der Hamburger Krankenhausspiegel (www.hamburger-krankenhausspiegel.de).
Vor kurzem (Stand August 2007) erschien ein Krankenhausvergleich der Techniker Krankenkasse (von dem auf der Webseite der Kasse nur noch Auszüge zu sehen sind).
Weitere Klinikführer dürften folgen.
Methodik, Metaanalysen
Die Methodik der Krankenhausführer basiert meist auf einem oder mehreren der folgenden Elemente:
- Befragungen von Ärzten
- Befragungen von Patienten
- Auswertung von Qualitätsberichten der Krankenhäuser
- Auswertungen von BQS-Berichten (BQS ist die Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung).
Inzwischen liegen verschiedene Metaanalysen der Krankenhausführer vor. So hat das Forum Gesundheitspolitik eine eigene Seite dazu eingerichtet (www.forum-gesundheitspolitik.de, auf „Patienten“ und dann „Klinikführer“ klicken).
Die Verbraucherzentrale Hamburg hat Klinikführer bewertet (www.vzhh.de).
Eine Literaturanalyse der Uni Bielefeld ist ebenfalls im Netz einsehbar (http://www.uni-bielefeld.de/gesundhw/ag6/downloads/patienteninformationen.pdf).
Interessenlage, Gesundheitspolitik
Krankenhausführer bewegen sich in einem schwierigen gesundheitspolitischen Umfeld. Es scheint, als ob die Herstellung von Transparenz über die Qualität von Krankenhäusern nicht bei allen Beteiligten auf Gegenliebe stößt.
Schon im 1984 erschienenen Buch „Krank in Hamburg“ heißt es (S. 5):
Unverständlich und scharf zu kritisieren ist aber die Haltung der Hamburger Krankenhausgesellschaft. Diese Organisation hat versucht, die durch dieses Buch vorgesehene Aufklärung und Information der Bevölkerung zu behindern.
Gegen die erste „Focus“-Veröffentlichung hatte die Bayerische Ärztekammer Bedenken wegen des Werbungsverbotes, dem Ärzte unterliegen, und klagte gegen die Liste beim Landgericht München. Der www.krankenhausfuehrer.de erhielt von einer Krankenhausgruppe die Mitteilung, man werde ihn blockieren usw..
Auch die Interessenlage der Herausgeber von Klinikführern ist nicht immer klar. An anderer Stelle in diesem WIKI wird z. B. darauf hingewiesen, daß das Expertengremium, das den Klinikführer Rhein-Ruhr betreut, von einem Teil eben der untersuchten Kliniken beschickt wird. Schließlich könnte es auch sein, daß Klinikführer, die im Auftrag von oder unter prominenter Mitwirkung von Gesundheitspolitikern und Firmen (Berlin), der Krankenhausgesellschaft (Hamburg) oder Kassen (AOK, TK) erscheinen, ebenfalls nicht völlig frei von Interessen Dritter sind.

