Betriebsgruppe AmperKliniken
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ANTI - GEN
Betriebszeitung der unabhängigen Betriebsgruppe Amperkliniken
und des Syndikats für Gesundheits- und medizinische Berufe / SANITA
Nr. 1, Februar 2008
Inhalt:
- "Pflegen am Limit"
- "Finnland: Krankenschwestern zur Arbeit gezwungen"
- "Soliaktion der FAU Südthüringen für Dachau am Klinikum Meiningen"
- "Infostände in der Dachauer Altstadt"
- "Kurze Chronologie 2007"
http://www.ungesundleben.org/bgak/anti-gen001.pdf
Bestellung möglich über betriebsgruppe.amperkliniken@yahoo.de
ACHTUNG!!
Am 25. September 2008
Großdemonstration in Berlin
"Aktionsbündnis Rettung der Krankenhäuser"
Die Betriebsgruppe ist nicht Teil des Bündnisses. Wir hegen keine Hoffnungen auf Unterstützung von staatlicher Seite. Ebenfalls pfeifen wir auf den sozialpartnerschaftlichen Schulterschluss der Gewerkschaften. Dennoch wollen wir zur Teilnahme mobilisieren.
DIE ZÄHNE ZEIGT WER´S MAUL AUFMACHT
Wenn dort Kolleginnen & Kollegen selbstständig ihre Bedürfnisse offenlegen, und wenn es noch so wenige sind, wäre schon ein Schritt in die richtige Richtung getätigt. Denn warten bis uns jemand die Karre aus dem Dreck zieht können wir lange!
Inhaltsverzeichnis |
Januar 2008
Solidarität mit den KollegInnen der Freien ArbeiterInnen Union - SANITA
Nachdem die Klinikleitung der Amper Kliniken Dachau der Gewerkschaft FAU den Zugang zum Klinikgelände verwehrte und sogar 5 Hausfriedensbruchsklagen, mit bis zu 1.800 € Einzelstrafforderungen angestrengt hat, beschreiten die KollegInnen der FAU nun den Rechtsweg per einstweiliger Verfügung, um ihre gewerkschaftlichen Rechte zu erkämpfen.
Um dies zu verhindern schaltet die Klinikleitung immer mehr AnwältInnen ein. Sie erkennt dem FAU – Branchensyndikat SANITA den Status einer Gewerkschaft ab.
Am 21. 12. 07 um 10 Uhr fand vor dem Arbeitsgericht München die erste Verhandlung über einen Zugang statt. Der Streitwert wurde hierbei auf 4.000 € festgesetzt. Dies kommt der kleinen Gewerkschaft zugute, da in diesem Fall die Gerichtskosten auf etwa 200 € anzusetzen sind.
Wir, als unabhängige Betriebsgruppe in den Amper Kliniken vor Ort, wollen der FAU unsere Solidarität kundtun und ihnen für ihre Unterstützung danken, da ohne sie die Herstellung einer so breiten Öffentlichkeit bzw. öffentlich geführten Debatte, nicht möglich gewesen wäre.
Wir fordern die Klinikleitung der Amper Kliniken Dachau auf, die FAU – SANITA als Teil der ArbeiterInnen- und Gewerkschaftsbewegung anzuerkennen, die Anzeigen zurückzuziehen und alle Hausverbote aufzuheben! Wobei wir uns durchaus bewusst sind, dass hier das letzte Wort noch lange nicht gesprochen ist, da die Klinikleitung die elementarsten Bedürfnisse unserer KollegInnen im Betrieb generell mit Füßen tritt.
Wir wissen auf wen wir uns verlassen können und auf wen nicht.
In diesem Sinne:
Wir sind alle SANITA!
Betriebsgruppe Amperkliniken
November 2007
Pressemitteilung von Beschäftigten der Amper Kliniken Dachau
Nach dem großen Medienecho ist mittlerweile, innerhalb und außerhalb der Kliniken, Kritik an den vorherrschenden Arbeitsverhältnissen größtenteils verstummt.
Die Reaktionen der Geschäftsführung beschränken sich auf eine Darstellung der Kliniken nach außen. Bei der letzten Betriebsvollversammlung am 9. Oktober 2007 wurde darauf in keiner Weise eingegangen, wohl aber in Stellungnahmen der Lokalpresse gegenüber. Darin wird hauptsächlich behauptet, dass Meinungen, die im Vorfeld an die Presse gingen nur Stimmen von einzelnen, unzufriedenen Querulanten gewesen wären. Im Prinzip wäre alles bestens, man würde sich um das Wohl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr wohl sorgen. Auf diese Weise sollen faktisch bestehende Probleme schön geredet werden.
Dabei spielt die Darstellung, die hauptsächlich den Bereichsleitungen gegenüber ausgesprochen wurde, dass diese Form von Öffentlichkeit den Pflegekräften schaden würde, da deren Arbeit nach außen insgesamt einen schlechten Ruf bekommen könnte, eine große Rolle. Diesbezüglich wurde geäußert, dass offene Stellen nicht nachbesetzt werden könnten, da Bewerbungen auf Grund der „schlechten“ Presse zurückgezogen wurden.
Doch gerade die Stellennachbesetzungen, die an sich von vorne herein eine Selbstverständlichkeit hätte sein müssen, werden nun zu einem phänomenalen Zugeständnis den Pflegekräften gegenüber verklärt.
Im Verlauf des Konflikts haben sich viele, die sich formell auf unserer Seite wähnen sollten, zu Wort gemeldet. Zu nennen wären in diesem Zusammenhang der Betriebsrat und die Gewerkschaft ver.di. Beide gaben schriftliche Stellungnahmen ab, die sich verbal mit den Protesten des Personals solidarisierten. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Arbeitsbedingungen nicht erst seit gestern in diesem Maße unzumutbar waren.
Wir schätzen jede Unterstützung, auch verbaler Art. Doch beide, Betriebsrat wie ver.di, haben dem Treiben zu lange passiv zugesehen! Für viele sind deren Äußerungen reine Worthülsen.
In den SZ Artikeln vom 5. / 6. November preisen Uwe Schmid und Pflegedienstleiter Martin Bieg den neuen Service-Sektor als Entlastung für das Pflegepersonal, damit sich diese wieder auf ihre „Kernkompetenzen“ (also die Pflege) konzentrieren können. Zudem wird behauptet, der Service-Sektor („Service Plus 21“) würde mit keinerlei Einsparungen einhergehen. Für Außenstehende wird hier der Eindruck erweckt, man habe sich neue Ausgaben aufgehalst, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.
Diese glatte Lüge möchten wir im Anhang mit Zitaten und Rechenbeispielen aus dem Konzept „Service Plus 21“ offen legen, da es die Linie der Klinikleitung auf gewohnte Weise konsequent weiter führt.
Für uns gesprochen:
Wir sind durchaus in der Lage Missstände und Unwahrheiten zu erkennen und zu benennen.
Wir lassen uns auch nicht mehr durch Worthülsen und Drohgebärden beeindrucken.
Wir wissen, dass wir uns selbst helfen müssen. Wir sind dabei uns selbst zu organisieren!
Und:
Wir geben garantiert nicht auf, denn:
Verändert hat sich eigentlich nix
einige Beschäftigte der Amper Kliniken Dachau
Anhang
Zitate aus dem Konzept „Service Plus 21“
- Der Einsatz von qualifiziertem Servicepersonal dient neben den weichen Faktoren, wie Zufriedenheit, Wohlbefinden, Respekt, Sicherheit und Vertrauen, der deutlichen wirtschaftlichen Verbesserung durch Absenken der Personalkosten. Seite 34
- Eine Reduzierung um
3 Pflegestellen- pro VK(Vollkraft) Eur 45.000 p.a.(pro Jahr) = Eur 135.000,00 p.a.
ist erforderlich, um die Zusatzkosten für den Servicekostenblock auszugleichen
- 4,77 Servicestellen – pro VK Eur 25.000,00 p.a. = Eur 119.250,00 p.a.
Dies gibt eine Einsparung in Höhe von
- Eur 15.750,00 p.a. in einer Ebene bzw.
- Eur 94.500,00 in 6 Ebenen
(…)
In der ersten Phase des Umsetzungsprozesses Verpflegungs-Service sollte schrittweise eine Absenkung des derzeit genehmigten Stellenplans der Pflege unter engmaschiger Begleitung der Pflegedienstleitung und Bereichsleitung erfolgen.
In der Neuorganisation pflegefremder Tätigkeiten allgemein (Bettentransport, Hol- und Bringdienst, etc.) liegt ebenfalls ein erhebliches Einsparungspotential. Die hier freigesetzten Pflege VKs werden für die Übernahme ärztlicher Tätigkeiten benötigt. Seite 36
- Respekt des Dienens oder Gentlemen serve Gentlemen.
Man muss Gentleman gelernt haben, um mit Gentlemen umgehen zu können.
Der Kern des Leistungsangebots und Basis für die Kunst des Dienens sind Disziplin und gegenseitige Offenheit, um dies im Umgang mit Patienten / Kunden / Gästen widerspiegeln zu können. Mission und Werte
Oktober 2007
A new morning changing weather
Arbeitskampf an den Amper Kliniken AG in Dachau – Eine Bestandsaufnahme September/Oktober 2007
Wer hätte gedacht, dass die kleine beschauliche, bisweilen verschlafene 40000 Einwohner Stadt vor den Toren Münchens zum Schauplatz eines Arbeitskampfes werden würde? Selbst organisiert ohne die offizielle Gewerkschaft? Dass Zeitungen sich mit Meldungen über die miesen Arbeitsbedingungen nahezu überschlagen? Der Vorstand Uwe Schmid vor dem Kreistag zu den Vorwürfen Stellung beziehen muss? Dass sich sogar mittlerweile die ver.di genötigt sieht in den Konflikt zu intervenieren?
Doch immer der Reihe nach:
Dass die Arbeitsbedingungen immer schlechter werden, ist eigentlich hinlänglich bekannt. Die ehemaligen Kreiskliniken Dachau/Indersdorf wurden bereits vor der Übernahme durch den Konzern „Rhön Klinikum AG“, 2001 „vorprivatisiert“ als Landkreis eigene „Amper Kliniken AG“. Dies kann als Startschuss gewertet werden, als dann nach und nach eigene Unter GmbHs errichtet wurden:
„Amper Medico GmbH“ für neue Physiotherapeuten und v.a. Ärzte, neben der bereits existierenden „KDI Service GmbH“ für Reinigungspersonal und Küchenhilfen, und schließlich den ambulanten Pflegedienst „Mi Cura GmbH“. Arbeitsabläufe sollten eingespart werden, Zuschläge weggelassen (Ballungsraumzulage), Personal wurde reduziert, Auszubildende nicht mehr übernommen (bis dahin kein Problem). „Amper Medico“ versucht mit individuellen Arbeitsverträgen das ärztliche Personal zu schlechteren Konditionen einzustellen. Zudem fungiert sie als eine Art „Leihfirma“, obwohl alle die gleichen Arbeitsstätten, gleiche Abrechnung, Dienstpläne, Arbeitskleidung etc. haben (der Betriebsrat prozessiert dagegen schon seit Jahren). Bereiche wie Küche und Wäscherei wurden an externe Firmen vergeben.
Im Gegenzug wurden neue Prachtbauten empor gebaut: Ein kompletter Neubau mit jeweils 9 - 12 Betten auf allen 6 Stockwerken, ein Parkhaus genau daneben zu sauteuren Preisen fürs Personal versteht sich, ein Fachärzte-Zentrum, das allerdings nicht von der Klinik selbst gebaut wurde, aber jetzt von ihr hauptsächlich genutzt wird.
Erste kritische Stimmen wurden laut. Die Klinikleitung reagierte mit Abmahnungen bei jeder Gelegenheit, Versetzung, sogar Anzeigen.
Zu diesem Zeitpunkt Frühjahr bis Sommer 2004 kam es zu mehren Flugblattaktionen gegen die verschlechterten Bedingungen. Alles von Einzelpersonen (darunter auch Mitglieder der FAU), da der Organisationsgrad in ver.di zu dieser Zeit vielleicht bei 3% lag. Der Betriebsrat, noch unerfahren, wusste auch damals nicht so recht, wie er sich dazu verhalten sollte, agierte bis dato mehr im Verborgenen, hatte allerdings auch mit dieser Geschäftsführung keinen leichten Stand.
„You don´t need a weatherman to tell which way the wind blows“ (Bob Dylan)
Dann kam 2005 der Schock: der Landkreis will den Großteil seiner Anteile (74,9%) an den Kliniken an einen „finanziell kräftigen Partner“ abtreten, wie das damals hieß. Den Zuschlag erhielt die „Rhön Klinikum AG“ und nach einer kurzen Zeit des Einschleimens, dass niemand seinen Job verliert würde, wurde klar woher der neue Wind weht: Hierarchisierung, Straffung des Arbeitsalltags durch Stellenabbau, nicht nach besetzte Stellen, befristete Verträge.
Der neue Betreiber hat es insgesamt unserem Herren Uwe Schmid sehr leicht gemacht. Seine gesamte Führungsriege blieb bestehen, ebenso die Tochter GmbHs. Beides untypisch für die „Rhön AG“ bei einer Übernahme. Sie waren bereits 2001 an den Kliniken interessiert, und so hat dann doch noch jeder gekriegt was er wollte: Die „Rhön AG“ mit Dachau/Indersdorf und gleichzeitig Pasing/Perlach mehrere Füße im Münchner Raum, der Landrat Kohle für die Schulen im Landkreis, Uwe Schmid ist verantwortlich für das Management der „Rhön“ Kliniken Südbayern. Wenn eine Hand die andere in Unschuld wäscht hat am Schluss jeder ein reines Gewissen.
Währenddessen gab´s für das Personal jedoch keine Zuckerlis, sondern Kröten zu schlucken. Krankheitsausfälle durch Überlastung, hohe Überstunden, weiterer Abbau von Stellen. Und dies in einer Situation, in der die Klinik teilweise überbelegt war.
Die ver.di machte sich nach der Übernahme gleich ans Werk einen eigenen Haustarifvertrag für Dachau/Indersdorf und Pasing/Perlach auszuhandeln. Die Gegenseite versuchte neben anderen Schweinereien die 40 Stunden Woche durchzubringen, was aber nicht gelang, nicht zuletzt wieder durch Eigeninitiative. Als der Tarifvertrag dann abgeschlossen war, gab´s auch keine Mitgliederversammlung oder dergleichen. Man bekam eine Broschüre, die das Ergebnis darlegte.
Das Jahr 2006 bis ins Frühjahr 2007 war ein Jahr der Depression, im wahrsten Sinne.
Der anfängliche Schwung, den die selbst organisierten Kräfte im Zuge der Präsenz der ver.di euphorisch mitgenommen hatten, geriet komplett zum Stillstand. Die KollegInnen waren am Ende ihrer Kräfte und bei manchen auch ihres Willens. Für die meisten war die Abwärtsspirale nicht aufhaltbar, man zog sich in sich zurück. So auch die im Frühjahr 06 gegründete Betriebsgruppe Amperkliniken, die eigentlich offen im Betrieb agieren wollte. Doch daran war nach fehlender Unterstützung, auch von Seiten des Betriebsrats, nicht mehr zu denken.
Dennoch gab es sogar in dieser Zeit einige Vorkommnisse:
- Ende September 2006 hängten Unbekannte gegenüber der Klinik auf dem Parkhaus ein über 4 Meter langes Transparent mit der Aufschrift „NEIN ZUM STELLENABBAU! SOLIDARITÄT MIT DEN BETROFFENEN“ herunter.
- Anfang Oktober 2006 gaben alle Pflegestationen, von den Bereichsleitungen koordiniert, gleichzeitig Überlastungsanzeigen ab.
- Ende November 2006 berichtete das ARD Fernsehmagazin „plusminus“ über die aggressiven An- und Abwerbeversuche des klinikeigenen ambulanten Pflegedienstes „Mi Cura GmbH“.
- Mai 2007 empörten sich die örtlichen „Grünen“ über die teueren Telefongebühren(etwa 37 mal so hoch) für PatientInnen durch einen externen Anbieter. Mittlerweile dürfen wieder Handys benutzt werden.
- Im Juli 2007 nutzte die Geschäftsführung einen Aufruf des Internet-Forums „ungesundleben.org/privatisierung“ zur Vernetzung von Betriebsgruppen im Gesundheitswesen dazu Drohgebärden vom Stapel zu lassen u.a. gegen die Jugend- und Auszubildenden Vertretung (JAV), die bedrängt wurde Namen zu nennen.
In dieser Zeit fiel auch ein Konzept in die falschen Hände, dass die Einführung eines „Service-Sektors“, finanziert durch Streichung von 3 Vollzeitstellen in der Pflege pro Fachbereich, plant und somit eine Umstrukturierung des gesamten Betriebs darstellt. Eine neue externe Reinigungsfirma „GiesDienstleistungen GmbH“ übernimmt die Reinigung. Beschäftigte in der Reinigung mit altem, unbefristeten Vertrag direkt mit der Klinik, sollten ins Service-Personal durch freiwillige Kündigung gedrängt werden. Zu schlechteren Bedingungen versteht sich. Was allerdings verhindert werden konnte. Jedoch nicht die „betriebsbedingte“ Kündigung von 25 KollegInnen aus dem Reinigungspersonal von der Tochterfirma „KDI“ zum 1.11.07.
The story so far….
Hilfe von außen naht!
Die Lokalföderation München der FAU sah dem Treiben, das immer wieder durch ihre Mitglieder aus der Klinik berichtet wurde, nicht mehr tatenlos zu und startete eine öffentlich wirksame Aktion.
Am 17. August 07 fand am Klinikgelände eine Kundgebung der FAU statt, bei der mit einem ausführlichen Flugblatt die Beschäftigten und BesucherInnen über die allgemeinen Bedingungen aufgeklärt wurden. Die Blätter wurden scheinbar in die Klinik mitgenommen. Jedenfalls wurden sie von Mitgliedern der Geschäftsführung wieder von den Stationen eingesammelt. Gegen 5 TeilnehmerInnen der Kundgebung laufen Anzeigen wegen angeblichem Hausfriedensbruch. Die KollegInnen im Haus vervielfältigten die Flugblätter selbständig und verteilten sie unter der Hand. Die lokale Zeitung berichtete groß, die Geschäftsführung war zu keiner Stellungnahme bereit.
Der Stein gerät ins Rollen
Die FAU wehrt sich öffentlich gegen die Anzeigen, bietet Gespräche an, will als im Betrieb vertretene Gewerkschaft anerkannt werden. Die Geschäftsführung schweigt weiter.
Am 14./15. September 07 fand ein Aktionswochenende statt. Mit einer Veranstaltung in Dachau zum Thema „Arbeitskämpfe in privatisierten Gesundheitseinrichtungen – Erfahrungen und Möglichkeiten“. Eingeladen waren dafür Nandor Puoget von der Gewerkschaft Gesundheitsberufe(GGB), Hannover, und ein Jugendsekretär der ver.di Jugend München. Die Diskussionsrunde war zwar klein, aber emotional. Es wurden auch konstruktive Dinge erreicht, außerdem waren die Erfahrungen aus Arbeitskämpfen in Kliniken in Niederachsen geradezu anregend, selbst zur Initiative zu greifen.
Für den Folgetag war eine Kundgebung mit anschließender Demonstration am Bahnhofsplatz in Dachau und eine zweite Veranstaltung unter demselben Motto in München geplant.
An der Kundgebung beteiligten sich ca. 30 Leute, unter ihnen auch einige Klinikbeschäftigte. Diese rieten aber, auf Grund zu befürchtender Repression, davon ab die Demonstration durchzuführen, was von der FAU berücksichtigt wurde.
Am selben Tag brachte ausgerechnet die konservative Lokalzeitung eine Sonderseite über die Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal an den Kliniken Dachau und Indersdorf. Hierzu wurden einzelne Beschäftigte interviewt und anonym zitiert. Auch Vorstand Schmid gab mit dem ärztlichen Direktor Michael Weber und Pflegedienstleiter Martin Bieg ein Interview ab, in dem herablassend von „gefühlter“ Überbelastung die Rede war, dass das Personal „gefordert und nicht überfordert“ wäre, bis hin Frechheiten, dass früher „mehr Bonbon Papier herum gelegen“ wäre. Mit dieser Stellungnahme hat er es sich mit einem Großteil der Beschäftigten verscherzt. Es gehen massenhaft LeserInnenbriefe ein! Einer, von MitarbeiterInnen anonym verfasst, schafft es auf die Titelseite. Die Lokalblätter wollen sich gegenseitig mit Meldungen überbieten. Der „Münchner Merkur“ richtet ein eigenes Internet Forum ein, wo ehemalige PatientInnen, Angehörige und natürlich MitarbeiterInnen ordentlich Dampf ablassen. Als Hauptkritikpunkt rückt immer die schlechte Personalpolitik ins Gesichtsfeld. Die Arbeit der Pflege wird nahezu ausnahmslos trotz der hohen Belastung geschätzt und respektiert.
Uwe Schmid muss nun vor dem Kreistag zu den Vorwürfen Stellung beziehen, da der Landkreis ja noch 25,1% an den Kliniken besitzt.
Der FAU will er wegen „fehlender Tariffähigkeit“ den Zugang zum Betrieb verweigern, die Anzeigen nicht zurücknehmen. Die FAU selbst wird von vielen Beschäftigten mittlerweile als normale Gewerkschaft wahrgenommen. Sie hat sich durch ihre Entschlossenheit einen gewissen Respekt erkämpft. Den Leuten Mut gemacht aus eigener Kraft etwas zu erreichen.
Dies ist auch der ver.di nicht entgangen, die, vertreten durch den Verhandlungsführer in den Tarifverhandlungen Dominik Schirmer, in einem Interview auf einmal Mängel in der Personalpolitik entdeckt und sich zaghaft hinter die Beschäftigten stellt (stellen muss?). Gleichzeitig aber betont, die Bedingungen in Dachau wären nicht exemplarisch für den gesamten „Rhön“ Konzern, mit dem er so ziemlich jeden Tarifvertrag im Raum abgeschlossen hat. Außerdem sei der Haustarifvertrag „eine gute Grundlage, den inneren Frieden in der Amperkliniken AG zu entwickeln“. Schön, sich dessen gewiss zu sein, wenn man weiß, dass die Gegenseite den sozialen Frieden vor Jahren aufgekündigt hat.
Auch der Betriebsrat wandte sich mit einer Presseerklärung an die Öffentlichkeit, in der er sich hinter die Proteste der Beschäftigten stellte, aber auch äußerte, dass es in seinem Sinne wäre, würde der Landkreis seine 25,1% auch noch an die „Rhön AG“ abtreten, da er der Ansicht ist, dass nur wegen der unkritischen Unterstützung durch den Landkreis Schmid eine solche Machtstellung inne habe.
Egal, ob Betriebsrat oder Gewerkschaft. Wer jahrelang die Augen verschließt braucht sich nicht wundern, wenn er irgendwann den Dingen hinterher läuft. Was nicht bedeutet, dass wir ihre verbale Unterstützung nicht schätzen würden, doch es scheint mehr Kalkül und Schadensbegrenzung zu sein. Der Versuch den Protest in geregelte Bahnen zu lenken. Und das dürfte ihnen nicht gelingen, da bereits Strukturen jenseits ihrer Kenntnis existieren, von denen die Initiative ausgeht.
Der Kampf um unser Recht und gegen diese Arbeitsbedingungen wird weiter gehen! So oder so!
Dr. Mandingo
Madame Ascaso
2 Militante aus dem Betrieb
Weitere Infos zum Konflikt:
Juli 2007
Initiative zur Vernetzung von Betriebsgruppen im Gesundheitswesen stößt in den Amper Kliniken auf Repression seitens der Klinikleitung!
Der Aufruf zu oben erwähnter Initiative wurde von den Stationen entfernt. Da dieser auch im Personalwohnheim hing und dies ein Verstoss gegen die Hausordnung ist, wurde die Jugend- und Auszubildenden Vertretung (JAV) zur Geschäftsführung zitiert und unter Druck gesetzt Namen zu nennen. Ferner wurden Infos von www.ungesundleben.org über die Struktur der Rhön AG dem Wirtschaftsauschuß und Betriebsrat vorgelegt, rechtliche Schritte und die Weitergabe an den Verfassungsschutz angekündigt. Grund hierfür war, daß als Web- Adresse der Betriebsgruppe die Seite www.aaud.tk angegeben wurde. Diese Seite verbreitet Infos und dokumentiert unabhängige, soziale Kämpfe in der Dachauer Umgebung. Dort sind auch alte Flugblätter der Betriebsgruppe archiviert. Für die Klinikleitung schon genug alles und alle über einen Kamm zu scheren. Mit konkreten Hintergedanken: Wenn für sie die Betriebsgruppe mit dem Zusammenhang aaud identisch ist, kann sie eine aufrichtige, kämpferische Arbeit zur Verbesserung unserer Arbeits- und (Über)Lebensbedingungen im Betrieb immer mit "Revoluzzertum" einiger "Polit-Rowdies" gleichsetzen.
Es war nicht der erste Versuch kritische Stimmen der Beschäftigten, speziell der Betriebsgruppe, zu unterdrücken und es wird mit Sicherheit nicht der Letzte sein! Engagierte Menschen mußten schon seit jeher, auch vor der Rhön- Übernahme, mit Abmahnungen, Anzeigen und Versetzung rechnen.
Gegen die Kriminalisierung unabhängiger Strukturen!
Demokratie gilt auch im Betrieb!
Haltet zusammen, organisiert Euch! Allein machen sie Dich ein!
betriebsgruppe.amperkliniken@yahoo.de
"Rhön AG" - Das Geschäft mit der Krankheit
Zur Arbeitssituation der Pflege in den Amperkliniken Dachau (aktualisiert)
Bei der Übernahme der Kliniken in Dachau und Indersdorf 2005 wurde den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch den Konzern Rhön AG und den damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden H.J.Christmann mehrmals versichert:„Alles wird bleiben, wie es ist“ bzw. „es wird zu keinem Stellenabbau kommen“
Fakt ist: seit der Privatisierung der Kliniken haben sich die Arbeitsbedingungen stetig verschlechtert:
- Jede/r Beschäftigte/r mit einem befristeten Arbeitsvertrag muss um eine Verlängerung ernsthaft bangen.
- In der Pflege wurden auf jeder Station bereits Stellen gestrichen. Zu einem Zeitpunkt, an dem das Personal durch hohe Belegungszahlen am Limit und immer öfter darüber arbeitet.
- Seit im September keine Zivildienstleistenden mehr beschäftigt werden, müssen Krankentransporte vom Pflegepersonal vorgenommen werden.
- Auszubildende werden für einfache Arbeiten „benutzt“ , eine praktische Ausbildung findet faktisch nicht mehr statt. Doch kein Grund zur Besorgnis, da sie nach ihrem Abschluss sowieso nicht übernommen werden.
- Durch nahezu als Fliessband – Arbeit zu bezeichnenden Arbeitsalltag vermehren sich Überlastungsausfälle. Die kranken KollegInnen werden vom Rest des Teams kompensiert, was sich in massiven Überstundenzahlen manifestiert.
- Zum Jahreswechsel 06/07 wurden in mehreren Bereichen, nachdem Stellen gestrichen wurden, kurzfristig LeiharbeiterInnen eingesetzt.
- Das Personal ist demoralisiert. In dem Bewusstsein nur als Puffer für Einsparungen wahrgenommen zu werden und ständig vor neue vollendete Tatsachen gestellt zu werden, zeigt sich, dass man ihm sein Recht auf freie Meinungsäußerung kategorisch abspricht. Kritische Stimmen werden im Keim erstickt.
- Rechtliche Instanzen der MitarbeiterInnen, wie Betriebsrat und Arbeit“nehmer“vertretung im Aufsichtsrat wurden von Leitungspersonen, mit Erfolg in letzt genannter, zu unterwandern versucht.
- In den Verhandlungen um einen Haustarifvertrag wurde von der Gegenseite angestrebt, durch Einsparungen und Kürzungen zu Lasten der Beschäftigten eine zusätzliche Kostensenkung herbeizuführen. Dies konnte nur zum Teil verhindert werden. Für die Zukunft ist die Einführung eines "Service"- Sektors für bessere "Kundenorientierung" geplant, der durch weitere personelle Einsparungen im Pflegebereich finanziert wird.
Diese Liste ließe sich endlos fortsetzten. Der moderne Anstrich nach außen soll den kompromisslosen, die Bedürfnisse des Personals ignorierenden Führungsstil verdecken. Dies kommt einer Verhöhnung eben jener gleich, die mit ihrer Arbeitskraft die Klinik, trotz existenzieller Mängel, am Laufen halten. Die Forderungen nach Verbesserung sind schon lange im Gelächter der Prozessoptimierer und Kosteneinsparer verhallt……….bis es knallt!
DER SOZIALEN KÄLTE EINHEIZEN!
Für eine menschliche Pflege!
Profitmaximierung zu Lasten der Beschäftigten und PatientInnen? Ein Krankenhaus ist kein Hotel - PatientInnen sind keine "Kunden"! Schluss mit Hetze und Entrechtung am Arbeitsplatz! Enteignet die Klinikkonzerne! ALLES FÜR ALLE!
März 2006
TARIFVERTRAG - QUO VADIS?
Flugblatt vom März 2006, während der Verhandlungen um einen Haustarifvetrag zwischen RhönAG & ver.di
Mit dem Erfolg die 38,5 Stunden- Woche behalten zu können ist es nicht getan. Nach der letzten Tarifverhandlung, u.a. auch über Zulagen, am 20.02.05 zeigt sich, dass dies nur der Anfang war:
Vorschlägen nach Zulagen für MitarbeiterInnen in der Radiologie( Mrta´s, Arzthelferinnen ) und Praxisanleiter wurde eine klare Absage erteilt. Kindergeldzulage soll mir einem Bestandschutz für KollegInnen mit bereits "bestehenden" Kindern, beim Inkrafttreten des Haustarifvertrags ganz wegfallen. Ausserdem will die Gegenseite Zuschläge für MitarbeiterInnen in Intensiv, Ambulanz, Wachstationen/ "stroke unit", sowie für KollegInnen mit Anästhesie-/Intensiv- Fachweiterbildung absenken. Unschlüssigkeit bestehet auch bei einer geforderten Geriatrie- Zulage. Beide Seiten haben glücklicherweise nichts abgeschlossen.
Doch noch nicht genug...
Ganz klar Position beziehen möchten wir im Falle der seit Dezember geforderten Eingruppierung der PhysiothrapeutInnen und MTA´s. Diese qualifizierten KollegInnen niedriger einzustufen als das Pflegepersonal ist weder verständlich noch berechtigt.
Noch massiver soll es das Reinigungspersonal treffen. Diese haben sich ohnehin schon mit immer schlechteren Arbeitsbedingungen und personellen Engpässen herum zu schlagen. Und obwohl sie eine der wichtigsten Aufgaben haben, werden sie von manchen MitarbeiterInnen gar nicht beachtet. Künftig sollen sie auf der niedrigsten Stufe eingruppiert werden, ohne Möglichkeit auf einen Aufstieg. Zudem soll den meisten die allen versprochene Ausgleichszahlung verwehrt bleiben.
Das darf man so nicht zulassen! Jammerst du noch oder kämpfst du schon?
Im Grunde verdrehen sich die Tatsachen nicht nur innerhalb unserer Kliniken im rasanten Tempo. In längst vergangenen Zeiten stellte die Arbeit"nehmerInnen"seite bei Tarifverhandlungen Forderungen nach prozentualer Lohnerhöhung. Gegenwärtg sind wir nur noch damit beschäftigt, das was wir haben zu behalten. Ein höchst unsozialer Prozess. Den wir sind es, die das Haus am Laufen halten und Personalmängel mit unserer Arbeitskraft kompensieren. Deshalb müssen wir gemeinsam etwas tun, wir dürfen uns nicht spalten lassen! Ersten nicht durch die Aufgliederung in öffentliche und privatisierte Kliniken und zweitens nicht durch die Abschlüsse von einzeln zusammen geschusterten Haustarifverträgen, die die einzelnen Häuser untereinander noch zusätzlich noch in Konkurrenz stellen.
Die Rhön AG hat 2005 1,415 Mrd. Umsatz gemacht!
Ohne uns alle geht gar nix!
Mehr Lohn und mehr Personal gegen sich verschlechternde Arbeitsbedingungen! Zusammen kreativ und aktiv werden!
Betriebsgruppe Amperkliniken
WIR WOLLEN ALLES
Oktober 2006
Ein Jahr privatisierte Kliniken Dachau – Klinikkonzern lässt die Masken fallen
Die „AmperKliniken AG“, ehemals Kreisklinik Dachau, wurde im Juni 2005 als Mehrheitseigner von der „RhönKliniken AG“ übernommen. Damit hat auch uns die Privatisierungswelle im Krankenhaussektor eingeholt.
Bereits ca. 80 Kliniken hat die „RhönAG“ bundesweit eingekauft, und was das für die jeweiligen Belegschaften bedeutet, ist nicht schwer zu erkennen: Profitmaximierung heißt das Schlagwort, was Einsparungen an allen Ecken und Enden und Personalkürzungen nach sich zieht.
Wir, eine kleine Gruppe von Angestellten im Pflegebereich waren auch schon vor der Übernahme durch „Rhön“ im Betrieb aktiv. Mit Flugblättern und Infoständen versuchten wir die Belegschaft auf die Missstände aufmerksam zu machen. Nicht einfach, in einem Betrieb, in dem der Organisationsgrad gegen Null geht und Betriebsarbeit konsequent von der Geschäftsführung bekämpft wird.
Trotz allem fand das erste Flugblatt, das verteilt wurde, großen Zuspruch; die allgemeine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen sorgte ohnehin schon für ein gereiztes Klima. Ein anderes Problem, das die Gemüter erhitzte, war der Parkhausbau. Von nun an sollte jeder, der auf einen PKW angewiesen ist um zur Arbeit zu gelangen, dafür bezahlen, dass er ihn während seiner Arbeitszeit abstellen darf. Ausgenommen natürlich leitende Angestellte und die Geschäftsführung.
Nach verschiedenen Flugblattaktionen kam es zu erheblichen Ausfällen und Beschimpfungen seitens der Geschäftsführung, und eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch wurde erhoben, die jedoch eingestellt wurde.
Ein weiterer Versuch, die Belegschaft und auch die Öffentlichkeit zu erreichen, war ein Infotisch und Bücherstand, der direkt vor dem Klinikgelände aufgestellt wurde. Interesse war durchaus da, gerade ein für diesen Anlass neu zusammengestelltes Flugblatt zog Aufmerksamkeit auf sich. Die Geschäftsführung versuchte zwar mit Unterstützung der Polizei den Tisch entfernen zu lassen, womit sie aber keinen Erfolg hatte, da er auf städtischem Grund stand und ordnungsgemäß angemeldet war. Hierzu muss man vielleicht einmal anmerken, dass sich für solche Aktionen immer bereitwillig hilfsbereite GenossInnen finden, die vor Ort sind, wenn Angehörige der Betriebsgruppe besser im Hintergrund agieren.
Seit der Übernahme durch Rhön haben sich die Konflikte wesentlich verschärft, mit Aufnahme der Tarifverhandlungen um einen eigenen Haustarifvertrag kamen von Arbeitgeberseite Forderungen, die so auf keinen Fall tragbar sind. Die 40-Std.-Woche konnte abgeblockt werden, jedoch gibt es viele kleinere Maßnahmen, die alle finanzielle Einsparungen zum Zweck haben. Zum Nachteil der Beschäftigten natürlich. So sollen Zuschläge, Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie zusätzliche Urlaubstage für geleistete Nachtdienststunden wegfallen bzw. gekürzt werden. In dieser Zeit ist es besonders wichtig die Beschäftigten dazu zu bringen, Betriebsvollversammlungen zu besuchen und ihrem Unmut kollektiv Luft zu machen. Wir müssen den „Oberen“ zeigen, dass man das mit uns nicht machen kann.
Weiterhin geplant ist, sämtliche Berufsgruppen neu einzugruppieren, was die Bezahlung betrifft. So sollen zum Beispiel Reinigungskräfte auf der untersten Stufe stehen, ohne die Möglichkeit aufzusteigen. Für einige, die schon jahrelang im Haus arbeiten, bedeutet diese neue Eingruppierung ein Verlust von bis zu über 200 (!) Euro, teilweise sogar ohne eine vorher versprochene Ausgleichszahlung.
Der Schritt sich zu wehren fällt vielen sehr schwer, da es immer wieder zu massiven Einschüchterungsversuchen kommt: Eine Angststimmung wird verbreitet. Es ist ja auch verständlich, dass niemand seinen Arbeitsplatz verlieren will.
Jeder der einen befristeten Vertrag hat, und es werden keine anderen mehr vergeben, muss zittern, denn verlängert wird fast keiner. Ca. 28 Stellen in der Pflege sollen gestrichen werden, und das obwohl ohnehin schon am Limit und darüber gearbeitet wird. Dadurch, dass keine Zivildienstleistenden mehr eingestellt werden, müssen Patiententransporte selbst vorgenommen werden. Seit neuestem wird der Kaffee auf den Stationen abgefüllt und man arbeitet mit ungelernten und natürlich unbezahlten PraktikantInnen. Das alles und die durch die Einführung der DRGs im Januar 2004 nahezu verdoppelten Patientenzahlen führen dazu, dass es kaum mehr möglich ist, sich adäquat um seine Patienten zu kümmern. Der Unmut wächst immer mehr, jeder ist vollkommen überarbeitet und gestresst, das Arbeitsklima demnach auf dem Tiefpunkt. Die Überstundenzahlen sind hoch, immer wieder kommt es zu Krankheits- und Überlastungsausfällen. Trotz allem ist es hier, schon eher ländlich, wesentlich schwerer das Personal zu Arbeitskampfaktionen zu bewegen, das Bewusstsein hierfür ist sehr viel weniger ausgeprägt, als beispielsweise in Unikliniken. Leider ist auch der Betriebsrat wenig kämpferisch und geht oft falsche Kompromisse mit der Geschäftsführung ein. Zwar kommt es immer wieder zu vereinzelten Sabotageakten, aber es wäre wichtig für Öffentlichkeit zu sorgen und auf unsere Probleme aufmerksam zu machen. Die „Amper Kliniken“ sind der größte Arbeitgeber im Landkreis Dachau. Und so kam´s dann auch:
Eines Morgens Ende September ein großes Transparent am hell erleuchteten Parkhaus, mit der Aufschrift: „Nein zum Stellenabbau! Solidarität mit den Betroffenen!“ Gut zu sehen für Jedermann, der in oder aus der Klinik ging. Man darf davon ausgehen, dass es auch die Geschäftsführung gesehen hat, denn es wurde noch im Laufe desselben Vormittags abgenommen, und im Verwaltungsgebäude waren wohl einige hochrote und wutschnaubende Köpfe zu sehen. Doch nichtsdestotrotz, wir lassen uns nicht klein kriegen! All diese Maßnahmen sind aus humanen Gesichtspunkten nicht zu rechtfertigen, sondern nur durch die Arroganz der Macht!
…sobald das Verbrechen anfängt, seine Gründe in der Vernunft zu suchen, wuchert es wie die Vernunft selber und nimmt alle Formen logischer Denkschlüsse an. Gestern gerichtet erlässt es heute Gesetze. An dem Tag, an dem das Verbrechen sich mit den Hüllen der Unschuld schmückt, wird – durch eine seltsame, unserer Zeit eigentümliche Verdrehung – von der Unschuld verlangt, sich zu rechtfertigen. ( Albert Camus )
Streik, Sabotage, Widerstand! Bis die Mittel sind in unsrer Hand!!
Mitglieder der Betriebsgruppe AmperKliniken,
November 2005
Flugblatt gegen die Forderung der 40 Std. Woche in den Haustarifvertragsverhandlungen
verteilt u.a. auf einer Mitgliederversammlung der Gewerkschaft ver.di in Dachau
40 Std. pro Woche….
kein finanzieller Zuschlag, kein Freizeitausgleich……
einfach nur Mehrarbeit ……..
0 Euro Kinderfreibetrag!
Das und noch mehr verlangt Rhön trotz gegenteiliger Ankündigung!
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
dass jemand es für uns erledigt, darauf können wir lange warten. Die Fakten liegen auf dem Tisch. Die Gegenseite ist zum Einlenken nicht bereit! Jetzt sind wir am Zug!! Auch wenn das Vertrauen in die Gewerkschaft ver.di in unserem Haus nicht besonders groß ist, sollten wir die gegenwärtige Situation als Chance begreifen, der Gegenseite zu zeigen, dass wir bereit sind, für unsere Belange einzutreten und auch entschlossen zu kämpfen; denn schließlich sind wir auch die Betroffenen.
Unterstützen wir die Maßnahmen der Gewerkschaft! Nur gemeinsam sind wir stark! Solange sich kein Widerspruch erhebt, glaubt die Gegenseite, sie könnte mehr und immer mehr durchsetzen.
Der Krankenhaussektor ist seit Jahren verschlechterten Bedingungen und Kürzungen ausgesetzt.
An einem Punkt muss Schluss sein. Dieser Punkt ist hiermit erreicht! Sorgen wir dafür, dass man unsere Stimme ernst nimmt.
Halten wir zusammen und organisieren uns! Lasst uns kreativ werden und das Haus zum Tanzen bringen!
autonome Betriebsgruppe
Juli 2004
Flugblatt: Das ist ja KRANK!
Das ist ja KRANK!
Mittlerweile dürfte der Begriff „Gesundheitspolitik“ sein Verfallsdatum überschritten haben, schließlich spricht man ja auch von „Kranken“häusern. Dieser Name drückt aus, dass es um Kranke geht, beschreibt aber auch vorzüglich die Arbeitsbedingungen in einer solchen Einrichtung.
WERDEN SIE KRANKENSCHWESTER!
Sie genießen:
- Wahl zwischen 3 Schichten (Früh, Spät, Nacht)
- gestresste Kollegen
- überbelegte Stationen
- miese Bezahlung
- Druck von oben
- Bandscheibenvorfall mit Dreißig
KRANKENSCHWESTER: EIN KRISENSICHERER JOB?
Schon lange nicht mehr! Wer heute seine praxisferne Ausbildung abgeschlossen hat, wird es schwer haben eine Stelle zu bekommen, da die meisten Häuser nun Federn lassen müssen. Und so sitzt die soeben flügge gewordene Schwester auf dem absteigenden Ast!
WARME GEDANKEN DURCH SOZIALE KÄLTE?
Nicht erst durch Praxisgebühr, Zuzahlungen, Zahnersatzdebatten und DRG wird deutlich, dass der Mensch als eine Ware begriffen wird, auch wenn er krank ist. Erlaubt ist, was Profit bringt. Das Wort „inhuman“ wurde zum 01.01.2004 aus dem Vokabular gestrichen.
HURRA SCHLOSSALLEE!
Der heiße Trend der Saison. Basteln Sie ein Krankenhaus. Vergewissern Sie sich, dass Ihre Aktien zu erwerben sind. Dann lagern Sie Schritt für Schritt einzelne Bereiche in eigene GmbHs aus. Wenn Sie das geschickt und zügig anstellen, hat keiner der Mitarbeiter kapiert, dass der normale Betriebsrat nicht mehr zuständig ist. Aber Vorsicht! Versuchen Sie dies zu verschleiern, sonst will das Gesindel noch seinen eigenen Betriebsrat. Da es um den wirtschaftlichen Aufschwung ja bekanntlich schlecht steht, brauchen Sie den Clou, z. B. Wellness. Auf jeden Fall etwas exklusives, um potente Geldbeutel zu locken. Leider kostet Bauen viel, viel Monopoly-Geld. Kürzen Sie die Gehälter und studieren Sie sparsamere Arbeitszeitmodelle. Versuchen Sie den Betriebsrat zu unterwandern, Veranlassen Sie Einstellungstop, drohen Sie zur Not mit Personalabbau oder vollziehen Sie diesen. Seien Sie flexibel. Wenn Sie es bis hierher geschafft haben, hilft nur noch beten. Sollte das Geld trotzdem immer knapper werden: Schweigen Sie! Legen Sie nicht öfter Rechenschaft ab als nötig! Meiden sie Betriebsvollversammlungen! Gutes Gelingen! Falls Sie das Spiel verloren haben, werfen Sie keinen Blick zurück und fangen Sie morgen woanders ein neues an.
FÜNF FINGER SIND EINE FAUST!
Im ideologisierten Wettbewerb ist kein Platz für Tränen, doch wird hier vergessen, dass es sich bei den PatientInnen und den Pflegenden um Menschen handelt. Der Leidtragende ist letztendlich der Erkrankte, der einem multimorbiden System die Finanzspritze setzt. Pflegerische Versorgung muss für jeden, unabhängig der sozialen Herkunft, zugänglich sein!
Gegen Privatisierung von Kliniken!
Wir fordern:
Schluss mit Wellness und Schickimicki!
Abschaffung von Privatversicherung!
Gleiche Behandlung für alle!
Zerschlagung der Pharma-Mafia!
Selbstorganisation in allen Lebensbereichen
ENTEIGNET DIE KLINIKKONZERNE

