Beeinflussung durch Medien

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Auf dieser Seite werden Hinweise gesammelt, die es erleichtern, Beeinflussungen durch Medien zu bemerken.


Inhaltsverzeichnis

Printmedien

Raum und Bedeutung

Je mehr Bedeutung Menschen bzw. Gruppen von Menschen zugesprochen wird, desto mehr Raum erhalten sie in Printmedien. Umgekehrt vermittelt die Raumaufteilung den LeserInnen: diese Menschen bzw. Gruppen sind wichtiger als andere, haben einen größeren Einfluss auf das gesellschaftliche Geschehen etc.

Textraum

In einer Studie wertete das Institut für Kommunikationswissenschaft München 3.407 Zeitungs- und Internet-Artikel aus, deren Überschriften bzw. Einleitungstext ein konkretes Unternehmen benennt. Berücksichtigt wurden Artikel, die im Zeitraum 17.6 - 21.6.2002 in der Welt, der Süddeuschen Zeitung, im Handelsblatt, in der Financial Times Deutschland, auf www.welt.de, www.sueddeutsche.de, www.handelsblatt.com und www.ftd.de erschienen.

Ergebnis: 72% der Artikel handeln von unternehmerischen Akteuren (Firmen, Personen), knapp 15% von nichtunternehmerischen Akteuren der Wirtschaft (z.B. Experten, Verbraucherverbände) und 13% von Akteuren aus Politik und Verwaltung (z.B. Parteien, Gewerkschaften).

Visueller Raum

Im Juli 2006 wurden gegen 64 KollegInnen der Frankenwaldklinik Kronach (Rhön) Kündigungen ausgesprochen.

Das folgende Beispiel zeigt eine Seite aus dem Fränkischen Tag vom 5. August 2006.

Seite aus dem Fränkischen Tag, 5. August 2006

Das Schicksal der 64 (kurz darauf 69) KollegInnen wird erstmalig im blau markierten Raum erwähnt. Dieser Raum ist sehr viel kleiner als der rot markierte, in dem fünf KreispolitikerInnen Statements abgeben, ohne dass Konkretes über die Kündigungen zu erfahren ist.

Die grünen Linien kennzeichnen Direktzitate. Auch hier gibt es eine Hierarchie: der Landrat Oswald Marr (SPD) kommt zuerst zu Wort und bekommt den größten Raum für Zitate. Ganz am Ende kommt die Kreisrätin Ingrid Steinhäußer von der Frauenliste dran.

Der Betriebsrat der Frankenwaldklinik Manfred Burdich kommt erst im blau markierten Raum zu Wort. Die gekündigten KollegInnen kommen gar nicht zu Wort.

Der blau markierte Raum liegt unter dem, den die KreispolitikerInnen bekommen. Das Foto des Betriebsrats befindet sich unten beim Artikel, während die Fotos der KreisrätInnen oben im Artikel angeordnet wurden.

Bei all dem: Nichts gegen den Fränkischen Tag! Es ist schon schön, dass der Betriebsrat überhaupt gefragt wurde und Platz bekommt.

Sprachliche Formen

Äußerungen

Die meisten AutorInnen mögen Zitate nicht immer mit einem "sagte X" abschließen. Deshalb erfinden sie Variationen. Diese Variationen vermitteln ein Bild des zitierten Menschen.

Häufig ist zum Beispiel die Variation "erklärte", etwa: "Herr X erklärte, dass ...". Um etwas erklären zu können, muss ein Mensch einen bestimmten Status besitzen. In den Medien gibt es beispielsweise weniger Kinder oder PatientInnen oder KollegInnen, die "erklären", als PolitikerInnen und ManagerInnen, die "erklären".

Im obigen Beispiel des Fränkischen Tags vom 5. August gibt es folgende Variationen:

Roter Bereich (KreispolitikerInnen):

  • bedauert
  • hofft
  • sieht
  • gesteht selbstkritisch
  • ist sich sicher
  • blickt zurück
  • bringt aus ihrer Sicht auf den Punkt

Blauer Bereich (Betriebsrat):

  • kritisiert
  • geht davon aus
  • kritisiert

Aktivität

Dasselbe Geschehen mit denselben Beteiligten A und B lässt sich so vermitteln, dass

  • A als eher aktiv erscheint und B als eher reaktiv / passiv oder
  • umgekehrt B als eher aktiv erscheint und A als eher reaktiv / passiv.


Wird A als eher aktiv dargestellt, entsteht der Eindruck, A habe mehr Einfluss auf das Geschehen als B. Und entsprechend: wird B als eher aktiv dargestellt, entsteht der Eindruck, B habe mehr Einfluss auf das Geschehen als A. Werden in den Medien regelmäßig VertreterInnen einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe X gegenüber einer anderen Gruppe Y als eher aktiv dargestellt, so entsteht der allgemeine Eindruck, Gruppe Y habe generell wenig Einfluss auf das Geschehen. Daraus entsteht das Gefühl: Gruppe Y kann sowieso nichts machen.

Anhand eines vom DGB organisierten Treffens, das Gewerkschafts-VertreterInnen verschiedener Länder mit Bundeskanzlerin Merkel im Mai 2007 anlässlich des G8-Gipfels in Heiligendamm abhielten und vom DGB organisiert wurde, soll das verdeutlicht werden.

Die Gewerkschaftsspitzen repräsentieren eine enorme Macht, gegen die - käme sie zur Anwendung - keine Bundesregierung etwas ausrichten könnte. In den folgenden Zitaten nimmt die Aktivität der Gewerkschafts-VertreterInnen gegenüber der von Bundeskanzlerin Merkel ab, wodurch Einschätzungen von Macht und Ohnmacht verschoben werden.

Pressemitteilung des britischen Gewerkschaftsdachverbandes TUC, 7.5.07 (übersetzt):

TUC trifft deutsche Bundeskanzlerin ...
Heute (Montag) wird der stellvertretende Generalsekretär der TUC, Frances O'Grady, an einer gewerkschaftlichen Mission in Berlin teilnehmen und zusammen mit SpitzenvertreterInnen von Gewerkschaften aus Deutschland, Frankreich, Italien, Russland, den USA und Japan Angela Merkel treffen. Einer der zentralen Punkte, die die Gewerkschaften mit der deutschen Führerin [leader] erörtern wollen, ist die Notwendigkeit einer internationalen Regulierung der wachsenden Zahl von Private Equity Firmen, die zur Zeit große Unternehmen auf dem gesamten Globus übernehmen. ... Die Gewerkschaften verlangen von den G8-FührerInnen ernsthafte Überlegungen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze [Jobs] ...

Nachricht der Bundesregierung 7.5.07:

Die soziale Dimension der Globalisierung ...
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit führenden Gewerkschaftsvertretern aus allen G8-Staaten über deren Erwartungen an das G8-Treffen in Heiligendamm gesprochen. ... Den Gewerkschaften ist es wichtig, dass international operierende Unternehmen die Kernarbeitsnormen beachten und soziale Verantwortung übernehmen. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, forderte die G8 auf, Verteilungsgerechtigkeit und Beschäftigung zu wahren und auszubauen. ...

Finanzen.net 7.5.07 - Formulierung der Presseagentur AP:

Merkel erörtert soziale Dimension der Globalisierung ...
Die soziale Dimension der Globalisierung haben am Montag Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie die Arbeitsminister und Gewerkschaftschefs der G-8-Länder erörtert. ... DGB-Vorsitzender Michael Sommer forderte bei der Gelegenheit die Einführung sozialer Mindeststandards ... Merkel empfing im Kanzleramt die Vorsitzenden der Gewerkschaftsdachverbände der G-8-Mitgliedstaaten, nachdem sie zuvor auch eine Beratungsrunde mit Wirtschaftsverbänden abgehalten hatte. ...


Siehe auch

Persönliche Werkzeuge